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Glut in der Asche, 10. Dezember 2008
Rezension bezieht sich auf: L.a.Woman(Mini Vinyl Replica) (Audio CD)
"Well I'm an old blues man / (...) / I've been singing the blues ever since the world began" - mit diesen Zeilen aus Maggie M'Gill vom Vorgängeralbum "Morrison Hotel" formulierte Jim Morrison das Motto für "L.A. Woman": auf keinem anderen Doors-Album findet sich so viel Blues wie auf dem letzten mit Jim Morrison, und aus dem Adonis von 1967 war ein äußerlich und stimmlich um Jahrzehnte gealterter Säufer geworden, der aber seinen Frieden gefunden zu haben schien. Der Kreis schloss sich: wie schon für das Debütalbum entstanden die Aufnahmen in gut einer Woche (das Mischen kam extra), die Aufnahmen liefen über die Achtspur-Maschine aus den "Strange Days"-Sessions, und John Densmore benutzte sein Schlagzeug aus den Sessions für "The Doors".
Produzent Paul Rothchild hatte nach den Aufnahmen für Janis Joplins "Pearl" das Handtuch geworfen (aus unerfindlichen Gründen empfand er Riders on the Storm als "Cocktail Jazz"), und die Doors beschlossen, die Aufnahmen in ihrem Proberaum zu machen und das Album mit Toningenieur Bruce Botnick selbst zu produzieren, was die entspannte und gleichzeitig äußerst kreative Wohnzimmeratmosphäre des Albums erklärt.
Lediglich Love her madly und Crawling King Snake (aus dem Live-Programm der Doors) scheinen fertig gewesen zu sein; der Rest der Songs entstand überwiegend im Studio, z.B. indem die Doors wie schon früher Gedichte von Jim vertonten (Riders on the Storm entwickelte sich aus dem Rumalbern mit Ghost Riders in the Sky!). Um Robby zu entlasten und weil die Aufnahmen überwiegend live stattfinden sollten, wurde als zweiter Gitarrist Marc Benno engagiert, und am Bass holte man Jerry Scheff, den Bassisten aus Elvis' Band, was Jim als Elvis-Fan begeisterte.
Neben den beiden Singles Love her madly und Riders on the Storm (einem unverwüstlichen Doors-Klassiker) finden sich hier gleich drei reine Blues-Titel: das wütende Been down so long, das schläfrige Cars hiss by my Window und das bedrohliche Crawling King Snake. Auch der Rest des Albums verströmt eine bluesige und etwas unheilvolle Stimmung, wie nicht zuletzt der Titelsong zeigt. The Changeling ist eine starke Eröffnungsnummer, die mit der Zeit wächst.
Zeilen wie "I see that the bathroom is clear / I think that somebody's near / I'm sure that someone is following me /(...)/ I need a brand new friend - the end" (aus Hyacinth House) bekommen angesichts der Tatsache, dass Jim Morrison ein halbes Jahr nach den Aufnahmen in einer Badewanne in seiner Wohnung in Paris starb, den Beigeschmack einer düsteren Vorahnung (ungeachtet der Tatsache, dass der Text in einem recht harmlosen Zusammenhang entstand, wie im Booklet des "Doors Box Set" nachzulesen ist).
Ob es wohl noch ein Doors-Album gibt, bei dem gleich bei zwei Titeln - und dann noch bei zwei aufeinander folgenden - kein Keyboard zu hören ist (Been down so long und Cars hiss by my Window)? Ich vermute, dass es Ray ist, der bei Been down so long die Blues-Licks einspielt, die sehr an seine Rhythmusgitarre in Maggie M'Gill erinnern.
Als Bonustracks hätte ich mir noch drei Songs gewünscht: das verträumte Orange County Suite (mit Jim am Klavier), das die Doors bereits '95 für ihr "Box Set" nachträglich aufbereitet hatten, und die von Ray gesungene und vermutlich nach Jims Abreise nach Paris und speziell für diesen Zweck aufgenommene B-Seite von Riders on the Storm, (You need Meat) Don't go no further, die die Besetzung der nächsten beiden Doors-Alben ohne Jim Morrison vorwegnahm. (Den Original-Mix findet man ansonsten nach wie vor nur auf der Doppel-LP "Weird Scenes inside the Goldmine".) Und drittens den Single-Edit von Riders on the Storm; mich hätte interessiert, wo die Doors die Schnitte setzten (dasselbe gilt für den Single-Edit von Light my Fire von 1967).
Die vorliegende Mini-Vinyl-Replica-Ausgabe ist die, die man auch in der Box "The complete Studio Recordings" (s. ebd.) vorfindet: die CD ist der '99 fantastisch remasterte Original-Mix (wohlgemerkt nicht der Remix der "40th Anniversary Edition"); sie ist mit dem grünen Elektra-Label bedruckt und steckt in einer gelben Papierhülle, die das transparente, in die Papphülle eingefasste Gruppenfoto richtig geil zur Geltung bringt (ob das der amerikanischen Erstausgabe auf Vinyl entspricht, kann ich leider nicht beurteilen).
Das Debütalbum der Doors ist ein Klassiker und mag ihr erfolgreichstes gewesen sein; "L.A. Woman" ist ein durchgehend starkes Album und hat für mich denselben Klassiker-Status. Diese Ausgabe ist für mich die leckerste Art, den Original-Mix auf CD zu genießen.
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Zum Durchdrehen und Autofahren, mit saftigem Abgang, 21. März 2004
Rezension bezieht sich auf: L.a.Woman(Mini Vinyl Replica) (Audio CD)
Salonmusik sei dieses Album, und das einzige, bei dem er jemals im Studio eingeschlafen wäre, sagte einst der damalige Produzent der Doors und entließ sie aus ihrem Vertrag - das Album wurde ohne ihn aber doch noch gemacht, schließlich war es Morrison ein persönliches Anliegen, und sollte der Band im Allgemeinen einen fulminanten Abgang aus der Studiowelt bescheren (mal abgesehen von neuen Aufnahmen, zwecks derer sich die verblieben beiden - Manzarek und Krieger - wieder ins Studio bemühen, aber was soll man schon groß über Musiker sagen, die nach fünfunddreißig Jahren immer noch die gleichen Songs darbieten...).
Es sollte jedoch nicht beim Produzenten bleiben, was die Negativkritik anbelangt, bald folgten auch die noch jungen Feministinnen nach und beklagten, daß "Crawling King Snake" sexistisch und machistisch angelegt sei, mit Textpassagen, die dem Hörer eindeutig nahelegten, wohin sich Frauen zu verkriechen hatten, und welches männliche Körperteil sie auf dem Weg keinesfalls übersehen durften (dabei stammte dieser Song ursprünglich noch nicht einmal von ihnen). Damit aber immer noch nicht genug: Keine Hitqualitäten mehr, hieß es, aus und vorbei, hieß es.
Dann ging Jim Morrison 1971 in Paris baden und sollte nie wieder Amerikas Bühnen verunsichern (ob nun tot oder nicht, sei hier dahingestellt und zum allgemeinen Wohlwollen der Leser nicht zum x-ten Male wiedergekäut). Dann hieß es auf einmal ganz andere Sachen. Großartig war nur eine davon. Nun gilt es ja im Allgemeinen Vorsicht walten zu lassen, wenn das Ableben von Kultfiguren zum plötzlichen Hype rund um dieselben ausartet. Aber was soll's, bei "L.A. Woman" hatten sie nun einmal recht!
Salonmusik? Wenn, dann höchstens für solche Räumlichkeiten, in denen Alt-Achtundsechziger morgens gratis Suppe bekommen. Zum Einschlafen? Wenn, dann höchstens für Alt-Achtundsechziger, die statt Suppe ihren Kater verdauen müssen. Kein Hitpotential? Nun, Suppe hin oder her, das mag stimmen. Dafür aber genau das Richtige für überlange Autofahrten - oder einfach nur zum gepflegten Durchdrehen bei Bier und Whiskey.
Die Stimme aufgenommen in einem mit Teppichen ausgehängten Badezimmer, die Musikinstrumente gleich nebenan, alle live nebeneinander eingespielt - so mußte das letzte Doors-Album einfach klingen. Morrison trifft nicht mehr alle Töne, und seine Stimme kraftvoll zu nennen, wäre wohl ein Griff ins musikkritische Nichts. Rauchiger Barsound ist's, was hier verblüfft und mitwippen läßt - dreckiger und verbrauchter als früher, dafür aber mit einem letzten Tritt in die Weichteile einer idol-verliebten Kreisch-Kultur. Wer hier den Lizard King zu finden hofft, oder auch nur einen Hauch vom Sexsymbol von einst, der wird wohl oder übel weinend nachhause laufen müssen. So, als hörte man Morrison grinsen. Bye-bye.
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