als ihr langjähriger produzent paul rothchild bei den vorarbeiten zu diesem album das handtuch warf - er fand die songs schwach, spürte die spannungen in der band und hatte vermutlich keine lust mehr, mit einem besoffenen sänger zu arbeiten - rettete er der band noch einmal das leben. denn die vier, inklusive morrison, wurden durch diesen schock wach und rissen sich enorm am riemen.
aus der not wurde eine tugend gemacht: die gruppe beschloss, gemeinsam mit ihrem toningenieur bruce botnick selbst zu produzieren - und zwar nicht in einem studio, sondern im proberaum. aufgenommen wurde schnell und entspannt, in wenigen takes. fehler wurden ausgebügelt oder gleich draufgelassen. das gibt dem album ein enorm lässiges workshop-feeling - es fühlt sich stressfrei, gelöst, aber konzentriert an.
das ist aber nur die halbe wahrheit. die andere hälfte lautet: dieses album klingt nach tod. es hat die anmutung eines letzten, hellen verglühens. jim morrison legt noch einmal alles an kreativität hinein, was ihm geblieben ist. danach war er leer, ein halbes jahr später war er tot.
das macht den speziellen, widersprüchlichen reiz dieser platte aus: sie zelebriert lebensfreude im angesicht des untergangs.
zum spiel: die band (plus rhythmusgitarrist marc benno und elvis-bassist jerry scheff) ist besser denn je, weil lockerer denn je. keine spur von kampf und krampf mehr. ray manzarek hört auf, jeden takt mit orgel-girlanden zuzuhängen, robbie krieger muss nichts beweisen und lässt die akkorde und licks einfach rollen, john densmore bringt ein bisschen funk und soul in die grooves. die band ist deutlich hörbar in den siebziger jahren angekommen - das spiel ist härter und unbehübschter, näher am blues und rock 'n' roll (wie bei vielen anderen bands dieser zeit auch).
zum gesang: jim morrison singt großartig und gespenstisch intensiv. seine stimme klingt auf diesem album ganz anders, als man es gewohnt ist, härter, rauher, der whisky und die zigaretten haben sie deutlich beschädigt, aber dadurch noch eigenartiger gemacht. zudem verzichtet er hier auf pathos und niedlichkeiten.
zu den songs: dass sie zu wenig material hatten, wirkt sich hier sogar gut aus, denn im aufnahmeraum fließt die kreativität. legendäre stücke wie der titeltrack oder "the changling" wachsen spontan aus dem studioboden. inhaltlich gibt es in wahrheit die ganze bandbreite des doors-katalogs. "love her madly" ist ein typischer krieger-pophit und könnte auch aus der frühzeit stammen, der zynische text ist ein hübscher kontrast zu den niedlichen melodien. "la woman" ist harter bluesrock, intensiv, stark, mit einfachen, aber kraftvollen metaphern im text. "hyacinth house" ist ein kuriosum im doors-katalog, es klingt, als würde ein müder frank sinatra ein stück von simon & garfunkel interpretieren (was er ja eh auch getan hat). großartig breitwandiger folkrock, im kern ganz simpel, mit einem mythologischen, aber vielleicht auch nur geblödelten text. morrison singt mit sich selbst zweistimmig, und manzarek zitiert im solo chopin. "the wasp" gibts als rudiment schon länger auf live-konzerten, ist wieder einmal vertonte poesie, fällt aber als einziger track doch ab - es fehlen die packenden ideen, dieses stück ist "nur" doors-routine. "riders on the storm" wäre - spielten sie es nicht so großartig dicht und faszinierend - tatsächlich "cocktail-jazz", wie paul rothchild abfällig urteilte. so ist es ganz großes, düsteres kino. die drei blues-stücke sind weniger infektiös aufregend, sie gefallen eher durch ihre knochentrockeene lakonik. "the changling" klingt, wie schon erwähnt, herrlich spontan, funky, aufbegehrend, wild.
aus dem zusammenhang fällt - ein wenig - "l'america". das stück wurde schon früher aufgenommen (für einen filmsoundtrack, auf den es dann doch nicht kam) und klingt noch ganz anders, sauberer, jünger, frischer. die hochdramatischen, bedrückenden melodiebögen, die sägenden gitarren - das alles passt dann aber doch wieder gut zu den übrigen liedern.
die bonustracks sind beide eh schon bekannt, von boxsets und samplern: "orange county suite" ist eine skizze, interessant, aber unfertig, da fehlt noch der twist, etwas, was das lied aufwertet. "don't go no further" ist ein alter blues, unspektakulär von ray gesungen.
zum sound: die neuauflage ist remaster UND remix. wie auch auf den anderen doors-alben hat bruce botnick den klang wunderbar restauriert, den staub weggewischt, den sound aufgehellt. die lässige proberaum-atmo des originals kommt wunderbar heraus, die instrumente klingen klar und kraftvoll, ganz und gar nicht nach garage oder keller. den gesang hat er auch beim remastern nicht retten können (oder wollen): jim morrison verwendete damals erstmals sein bühnenmikro beim singen, aufnahmekabine war das klo im doors-büro. und das hört man: der gesang übersteuert und verzerrt und wird schmal, wie auch auf den live-aufnahmen der doors. aber natürlich kann man argumentieren, dass gerade dieser räudige klang eben zur stimmung des albums gehört. beim remixen wurde, ebenso wie bei den anderen alben, nichts zerstört, die stimmung bleibt, die songs verändern sich nicht grundsätzlich. es gibt hier und da eine zusätzliche gitarren- oder gesangsspur, ein bisschen percussion, der bass wurde deutlich aufgewertet. wie bei den anderen alben auch: die doors klingen dadurch ein bisschen rauher, weniger brav, weniger sauber. im idealfall müsste man die alte und die neue abmischung als doppelalbum herausbringen.