" Erlebt man , wie Essen entsteht und wie viel Arbeit darin steckt, so entwickelt man automatisch einen ganz anderen Bezug dazu." ( Lafer)
" Neid, Missgunst und das Schielen auf die anderen zerstören die Individualität......Finde deinen eigenen Stil, gehe deinen eigenen Weg." ( Lafer)
Ganz bewusst habe ich diese drei Lafer-Zitate vor meine Rezension zu seiner Autobiographie gestellt, weil diese Sätze sehr viel über den nachdenklichen, sensiblen Spitzenkoch und Fernsehliebling aussagen, sei es nun über seine Freude am Genuss, über seinen Respekt vor Menschen und ihrer Arbeit, über seine positive Grundhaltung gegenüber Dritten oder schließlich über seinem Drang sein eigenes Potenzial auszuloten, nicht pausenlos zu vergleichen, sondern sich stattdessen ausschließlich um sein eigenes Können zu kümmern.
Der überaus charmante Österreicher Johann Lafer feiert am 27.9. seinen 50. Geburtstag .
Man hat ihn darum gebeten im ganzen Trubel , dem er sich seit Jahrzehnten aussetzt , einen Moment innezuhalten und zu berichten, was sich in seinem erfolgreichen Leben bislang ereignet hat.
Bevor er von seiner Vergangenheit zu erzählen beginnt, berichtet er allerdings von dem , was ihn derzeit wohl am meisten bewegt: die Kochsendung "Kochen bei Kerner" und sein erklärtes Ziel, die Zuschauer durch sein Tun zu kreativem Kochen zu inspirieren.
Lafer, der 2006 von der Bunten als bester Fernsehkoch ausgezeichnet wurde, weiß dass nur 3 Prozent aller Zuschauer in einer Kochsendung die Gerichte nachkochen, sich in der Regel bloß verschiedene Anregungen für ihre alltäglichen Essgewohnheiten holen und es insofern nicht sinnvoll ist ausschließlich Gourmetküche zu kochen. Ein Kompromiss ist notwendig, den er dadurch eingeht, dass er bei aller Unkompliziertheit stets ein hohes kulinarisches und qualitatives Niveau zu präsentieren sucht.
Lafers Liebe zum Kochen nahm schon in seiner Kindheit in der Steiermark seinen Anfang. An der Seite seiner Mutter begann er seine ersten Backversuche und entschied sich für eine Lehre als Koch in Graz. Ein Berufsschullehrer überzeugte den begabten Lehrling , sich nach der Lehre in seinem Handwerk ernsthaft weiterzubilden und auf diese Weise seine Karriere als herausragender Koch voranzutreiben.
Lafer berichtet von den Stationen seines Werdegangs. Zunächst arbeitet er im "Schweizer Hof" in Berlin und wird dort alsbald Chef-Patissier. Später dann ist er in Hamburg im legendären " Le Canard" tätig , um anschließend in dem damaligen Gourmettempel " Schweizer Stuben" als Chef-Patissier sein eigentliches Potenzial zu entdecken.
Lafer weiß, dass es in letzter Konsequenz in der Welt der Spitzenköche( wie auch in allen anderen Branchen) auf den bedingungslosen Einsatz ankommt. Er lässt nicht unerwähnt, dass man dazu eine gehörige Portion Idealismus haben muss, aber auch Freude an der Sache dabei sein sollte. Er räumt ein , dass das Streben nach Anerkennung, Ruhm und Bestätigung für ihn ebenfalls ein Rolle spielen, aber er weiß ,dass bei Erfolg oder Misserfolg auch immer das berühmte Quäntchen Glück dazu gehört. Wichtig ist zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein, so das Credo des Österreichers.
Der Foodfotograf Johann Willberger ist der Mensch , der 1979 den Kontakt zu dem " Gourmetgott" Eckart Witzigmann herstellt. Wenig später arbeitet Lafer als Chef-Patissier im "Aubergine" in München und berichtet dem Leser kurzweilig von seinen Erlebnissen dort.
Die nächste Station des Stars ist das KaDeWe. Dort sollte ein ganz besonderer Gourmettempel entstehen. Lafer geht in diesem Zusammenhang nach Paris zu Lenotre, um die Geheimnisse der französischen Spitzen-Patisserie kennenzulernen. Als sich die Eröffnung des Restaurants in Berlin immer länger herauszögert, entscheidet sich Lafer nach seinen langen Lehrjahren als Patron in einem Sterne-Restaurant zu bewerben und gelangt auf diese Weise nach Guldental bei Bingen.
Das" Val d` Or" wird nun über seine Zukunft entscheiden. Er erkocht dem Haus einen zweiten Stern, da allerdings hat er schon längst die Inhaberin Silvia Bucholz geheiratet.
Lafer und seine Frau sind aus gleichem Holz. Sie sind beide sehr neugierig, erfolgsorientiert und bereit vollen Einsatz zu bringen , sowie stets ein sehr hohes Niveau im Auge zu behalten.
Gemeinsam bereisen sie andere Kontinente, um sich inspirieren zu lassen, sind angetan von der Küche Mexikos und begeistert von den kulinarischen Speisen Asiens. Im "Oriental" in Bangkok belegt Lafer einen Kochkurs beim dortigen Küchenchef Norbert Kostner und erlernt die unverfälschte thailändische Küche und ihre Philosophie detailliert kennen. Diese Kenntnisse fließen nun in seine eigenen Kochkreationen ein.
1994 entscheidet sich das Ehepaar die " Stromburg" zu kaufen und dort fortan hohe Gastronomie zu zelebrieren. Ein mutiges Projekt, das von großem Erfolg gekrönt wurde.
Durch seine vielen Fernsehauftritte und seinen hohen Bekanntheitsgrad muss Lafer über Gästemangel nicht klagen. Großveranstaltungen , wie das Festbankett für die UN-Vollversammlung in New York 1996, viele Politiker-Arbeitsessen etc. gehören bei diesem Spitzenkoch zum täglichen Geschäft. Immer wieder erfüllt Lafer sich neue Träume, hat sogar das Fliegen erlernt und in der Folge sein Projekt " Heli Gourmet" realisieren können. So wird mit eigenem Helikopter beispielweise ein Platz an den Weinhängen in Bacharach angeflogen. Dort serviert Lafers Team seither den Fluggästen ein feines Fünf- oder Sechs-Gänge-Menue .
Auch nicht uninteressant!
Im hinteren Teil des Buches kann man sich einiger schöner Fotos erfreuen und erhält einen Eindruck davon, wie Johann Lafer einst aussah, als ihn seine Mutter noch Hansi nannte. Ein hübscher Knabe, schon damals mit freundlichen Glutaugen!
Hübsch sind auch seine beiden Kinder, für die er sich bei aller Arbeit immer wieder Zeit nimmt, von der er eigentlich viel zu wenig hat, um seiner Mission gerecht zu werden: Nach wie vor beabsichtigt er die Sinne seiner Gäste und Zuschauer für den Genuss zu sensiblisieren. Er möchte das Deutschland ein Land der Genießer wird. Ganz wunderbar!
Natürlich verrät der Spitzenkoch im Anhang zu seiner Autobiographie einige seiner delikaten Rezepte . " Vanillekipferl mit Weinschaum" , " Johann`s Pralinentarte mit geeister Moccasauce und Truffe d`or", sowie seine "Biskuitrolle mit Himbeer-Sahne-Creme" sind sicher die Highlights auf der Geburttagskaffee-Tafel, die sein Team ihm gewiss mit viel Liebe zu kreieren weiß.
Dem Geburttagskind Glück und nochmals Glück in allen Dingen, inbesondere mit dem Verkauf seines neuen Buches!
Es zu lesen bringt großes Vergnügen. Empfehlenswert!