1983 wurde gleichsam der Urschleim einer Band angerührt, die später für ein Jahrzehnt neben METALLICA als gößte Rockband der Welt galt - Gun N' Roses. Axl Rose, die nölende Frontsirene der Gunners, fand sich mit dem Gitarristen Tracii Guns und zwei weiteren Mitstreitern zusammen, um unter dem Vereinsnamen L.A. GUNS blueslastigen Retrorock der 70er eingeschmutzt mit gehörigem Punk-Anteil zu kreieren. Bald sollte das Sleaze Rock heißen. Rose wanderte allerdings schon vor Veröffentlichung eines Albums zur Combo HOLLYWOOD ROSE ab. Es ist dann fast ein bißchen tragisch, daß Guns nach der Fusion der L.A. GUNS und HOLLYWOOD ROSE zum späteren Mulitplatinum-Act zwar zunächst dabei war, schließlich aber doch durch den Zylinderpudel Slash ersetzt wurde.
Guns reaktivierte mit dem Bassisten Mick Cripps die eigene Combo und nach diversen Besetzunsgwechseln an den anderen Instrumenten manifestierte sich mit Bassist Kelly Nickels, Sänger Phil Lewis und Drummer Steve Riley die wohl beste Variante der kalifonischen Handfeuerwaffe. Riley hatte sich erste Meriten bei Blackie Lawless's W.A.S.P erspielt, während Lewis als Frontmann der stets unterschätzten Truppe GIRL, der auch der heutige DEF LEPPARD-Gitarist Phil Collen anghörte, Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte.
1988 war es dann so weit, das Debüt erschien beim Major Polygram. Die L.A. GUNS platzten mit ihrem rohen Sound, rüden Texten und einem versifften Look, der aus viel Tatoos, Nieten, Leder und ein wenig Mascara kreiiert wurde, in die Abenddämmerung des Hair Metals, der anfing, sich mit allzu glatt polierten Produktionen und frisch geföhnten Dauerwellen seiner Hauptprotagonisten WHITESNAKE, WINGER, POISON usw. langsam in eine Sackgasse zu bewegen.
Kompromißlos wurde mit Songs wie 'Down in the City', 'Hollywood Tease' und 'Bitch is Back' am Fundament der Sleaze-Rock-Bewegung mitgebaut. Ohne Single-Hit platzierte sich das Album gleichwohl in die TOP 50 der Billboard Charts. Interessant an diesem Album war seinerzeit sicherlich dieser neue ruppige Sound, der aber anders als purer Punk und tumber Metal stets genug Eingängigkeit aufwies, um Airplay zu bekommen und in den Charts zu reüssieren.
Songs wie der rasante Opener `No Mercy', 'One More Reason' oder 'Electric Gypsy' weisen sicherlich noch eine gewisse ungestüme Naivität auf, die spätestens auf 'Hollywood Vampires' dann ausgefuchsterem Songwriting weichen sollte. 'Sex Action' wurde eine Art Kultsong der Truppe und fehlt auch heute in keiner Live-Setlist. Dass sie aber auch damals schon anders konnten, beweisen sie mit dem geschmackvollen Akustik-Intro 'Cry No More' zu 'One Way Ticket', einer tollen Ballade, die schon einen Ausblick auf die späteren Großtaten 'Ballad Of Jayne' und 'Crystal Eyes' gab.
Insgesamt also ein ordentliches Debüt. Hörer, die das Repertoire der Truppe man antesten wollen, sollten sich aber eher für das grandiose 'Hollywood Vampires' entscheiden.