"Unwissenheit ist Glückseligkeit" - das wusste schon der englische Dichter Thomas Gray.
In anderen Worten, was wir nicht wissen, kann uns nicht schaden. Dieser Film zeigt dem geneigten Cineasten dennoch, wie verheerend die Folgen mangelnden Wissens, Kennens und Verstehens sein können.
"Crash" ist ein direkter und provokanter Blick auf die komplexen sozialen Konflikte im Herzen Amerikas, auf eine Gesellschaft, die von Rassismus, einem der bedeutendsten Probleme der Menschheit, und Angst geprägt ist, auf eine Gesellschaft, in der oft Gefühle mit einer routinierten Sentimentalität verwechselt werden. Gekonnt setzt sich der Drehbuchautor und Regisseur Paul Haggis mit Thematiken wie Vorurteil, Moral, Diskriminierung, Missbrauch, Mut, Selbstlosigkeit, Wut, Hilflosigkeit, Verzweiflung und gewaltsame (Re)Aktion auseinander und erinnert uns daran, dass die Handlungen eines jeden von uns andere Menschen beeinflussen kann.
Der simple und zugleich kontroverse Inhalt dieses Films dürfte hinlänglich bekannt sein: Eine Reihe von Menschen, geblendet von auferlegten Klischees und Vorurteilen, treffen "zufällig" aufeinander. Sie gehören verschiedenen Kulturen und sozialen Schichten an, sie alle sind Räuber und Geraubte, Täter und Opfer, Unterdrücker und Unterdrückte in einer Person. Sie alle fühlen sich missverstanden, allein, sind frustriert und haben das Vertrauen in andere verloren. Der daraus entstandene Mikrokosmos erschüttert, bringt zum Weinen, aber auch zum Lachen, und bleibt bis zur letzten Sekunde unberechenbar.
Wir, die Zuschauer, sehen und hören den Mangel an Verständnis zwischen den Menschen, ferner nehmen wir wahr, dass Gut und Böse nebeneinander existieren. Menschen sind nicht immer das, was sie zu sein scheinen, ferner können und sollten sie nicht kategorisiert werden. Es gibt keine guten und/oder schlechten Menschen, es sind nur Menschen und Situationen, die interagieren.
Mein Fazit: "Crash" hat seine 3 Oscars, darunter einen für den besten Film, zu Recht verdient. Auch für mich ist dieser geniale und zum Reflektieren anregenden Film einer der besten überhaupt, welcher der bitteren Realität sehr nahe steht. Die Darsteller brillieren alle, ohne Ausnahme, die Kameraführung sowie der Soundtrack sind ausgezeichnet.
PS. L.A. ist überall. Leider.