Wenn einer die soziologischen Auswirkungen des Verbrechens verstanden hat, dann James Ellroy.
Im Mittelpunkt des Romans stehen zwar der mehrfache Mord in einem Nachtclub und die Verstrickung eines führenden Polizeioffiziers des LAPD in die Kontrolle des organisierten Verbrechens von Los Angeles in den 50er Jahren , auf der Anklagebank sitzt aber eigentlich die gesamte Gesellschaft L.A.s in den 50ern mit ihrem verfilzten Justiz- und Polizeiapparat, in dem sich Polizisten um Gerechtigkeit mühen, die selber so viel Dreck am Stecken haben, dass die Grenzen zwischen Gut und Böse, wie man sie in schlechteren Kriminalromanen findet, komplett eingerissen werden. Los Angeles wird präsentiert als ein Sumpf aus Drogen, Prostitution, Erpressung, Brutalität und Perversion, der keinerlei Moral mehr zulässt. Die handelnden Personen handeln aus verschiedensten eigensinnigen Motiven, die in keinster Weise irgend einem öffentlichen Interesse mehr unterworfen sind. Insofern hat der Autor auch ein Gesellschaftsporträt entworfen.
Ellroy ist ein literarischer Berserker, der von Beginn des Romans bis zur 500sten Seite den Leser mit einer Fülle an Stoff und Details in einem solchen Tempo traktiert, dass der irgendwann entweder den Faden verliert oder in eine Art literarisches Delirium gerät. Teils liest sich das Buch wie ein Zeitungsartikel, mal wie ein Zitat aus dem Polizeibericht, die Grenzen zwischen Literatur und Realität werden vollends beseitigt und irgendwann glaubt man alles, was Ellroy schreibt.
Es ist vielleicht der einzige Kriminalroman, den ich kenne, dessen Autor es über die gesamte Distanz schafft, keine einzige der handelnden Personen als Identifikationsfigur zuzulassen. Alle beteiligten Polizisten sind dermaßen verstrickt und unsympathisch und sich größtenteils in Abneigung und Hass verbunden, dass auch zu dem Zeitpunkt, als sie den Drahtzieher des Verbrechens zur Strecke bringen, keinerlei Katharsis eintritt, weil der Sumpf, in dem alle waten, kein Stück trocken gelegt wurde.
Die Geschichte bleibt bis zur letzten Seite packend, aber, und das ist das einzige, was man ihr vorwerfen könnte, sie macht keinesfalls 500 Seiten erforderlich.