Erich Horns "Lützen" ist, kurz gesagt, ein hanebüchenes, absurdes und unglaubwürdiges Buch.
Der Held, Philipp, verhält sich - wie alle anderen Charaktere - unglaubwürdig. Auf dem Buchrücken steht, das Buch sei hervorragend recherchiert, doch das trifft nur auf die globalen Geschehnisse des Krieges zu, die auf die Handlung selbst jedoch kaum Einfluss nehmen. Was das Verhalten von Philipp betrifft, so steht er dermaßen über den Dingen, dass sich einem der Magen umdreht.
Ein Wort von Philipp genügt, und aus den bekanntlich grausamen Bösewichten dieses Krieges werden zahme Lämmer. Er ist auf eine Weise unbesiegbar, die im Märchen funktioniert. Ja, "Lützen" ist eher ein (schlechtes) Märchen als ein Roman. Schon nach fünf Seiten weiß man, dass Philipp alles gelingen wird.
Jedes bisschen Spannung, das aufkommt, erstickt Horn - ehemaliger Politiker, unter anderem im Bundestag - schon im Keim. Kein Konflikt überlebt das nächste Umblättern. So verhält es sich auch mit der Liebesgeschichte, die ich hier durchaus ausführen kann, ohne dem Leser zuviel zu verraten, weil alles in "Lützen" vorhersehbar ist (wer es nicht wissen will, soll den nächsten Absatz überspringen):
Philipp liebt Anna, die jedoch entführt wird, und so heiratet er Geda. Geda gebärt ihm ein Kind, dann stirbt sie - kurz nachdem man erfährt, dass Anna noch lebt und auf dem Weg zu ihm ist (keine Spur also von Dramatik). Philipp geht daraufhin auf eine Reise, während der sein Kind entführt wird. ZUFÄLLIGERWEISE findet Anna dieses Kind, und ZUFÄLLIGERWEISE treffen sich Anna und Philipp wieder, ein überhaupt nicht herzzerreißendes, weil unglaubwürdiges Wiedersehen.
Horn liebt seine Charaktere so sehr, dass ihnen nichts passiert. Seine Sprache ist oberlehrerhaft, im Einband las ich später, dass er vor seiner politischen Karriere auch mal Lehrer war.
Keine Ahnung, wie Universitas dazu kam, diesen Schrott zu verlegen. Ich habe selten ein schlechteres Buch gelesen.