Anfangs scheint es, als hätte es wieder einmal einen - zugegeben etwas merkwürdigen, aber durchaus im Bereich des Denkbaren liegenden - Drogentod einer Frau gegeben. Schnell zeigt jedoch, dass es ganz andere Zusammenhänge zu geben scheint, als ein Bekannter der Toten verschwindet.
Die ermittelnden Kommissare Gunnarstranda und Frølich stellen schließlich bei ihrer Recherche Verbindungen nach Kenia im Zusammenhang eines Entwicklungshilfeprojektes her. Der Gesuchte findet sich auch tatsächlich dort, wird allerdings vor den Augen Gunnarstrandas erschossen. Ärgerlich ist für das Ermittlungsteam die Neugierde einer Sensationsreporterin, die den Beiden vermeintlich immer einen Schritt voraus ist, was bisweilen als durchaus problematisch einzuordnen ist.
Der Autor lässt einen gut an den Empfindungen und Überlegungen der handelnden Personen teilhaben, entspinnt ein verwobenes Netz von Informationen, Vorgängen, Schauplätzen und Gedanken, das Spannung und Unterhaltung zugleich erzeugt. Trotzdem bleibt der Roman im gesetzten Mittelmaß und bietet bei weitem nicht so viel Thrill, wie man das von den nordischen Autorinnen und Autoren schon vielfach gewöhnt ist und inzwischen auch erwartet. Selbst eigene Veröffentlichungen des Autoren waren da schon besser.
Wer jedoch unaufgeregte Spannung und etwas zurückhaltende Ermittlungsarbeit liebt, die mehr vom Nachdenken und Grübeln geprägt ist, bekommt mit „Lügenmeer" eine Geschichte, die das gut erfüllt. © 10/2005, Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.