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Lügendetektor. Vernehmungen im besiegten Deutschland 1944/45
 
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Lügendetektor. Vernehmungen im besiegten Deutschland 1944/45 [Gebundene Ausgabe]

Saul K. Padover , Lee Miller , Matthias Fienbork
4.9 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 337 Seiten
  • Verlag: Eichborn Verlag Ag (Juni 1999)
  • ISBN-10: 3821841745
  • ISBN-13: 978-3821841748
  • Größe und/oder Gewicht: 21,4 x 12,8 x 2,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.9 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 859.858 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Als amerikanische Truppen im Herbst 1944 nach Deutschland vorstießen, folgte ihnen ein junger Offizier der Abteilung für psychologische Kriegsführung. Wie ein Ethnologe, "der in das Gebiet eines unbekannten Stammes eindringt", wollte Saul K. Padover erforschen, was in den Köpfen der Besiegten vorging.

Die Deutschen, denen er in den Flüchtlingslagern und besetzten Städten begegnete, waren noch nicht dem kollektiven Vergessen anheimgefallen. Ihre Antworten kamen ungefiltert und ihre Lügen waren leicht durchschaubar. Hitler hatte eine breite Anhängerschaft quer durch alle Schichten der Bevölkerung, und auch wer kein überzeugter Nazi war, dachte zumeist deutsch-national. Und eines ist ganz offensichtlich: das Wissen um die Verbrechen des Regimes war weiter verbreitet, als dies später gerne behauptet wurde. Warum sonst fürchteten sich viele vor einem Aufstand der Zwangsarbeiter und der Vergeltung der Sieger?

Lügendetektor offenbart die Seelenlage einer besiegten Nation: Selbstmitleid und kollektive Depression, Haß und unbelehrbare Arroganz, hartherzig und von einem vagen Schuldgefühl. Und derart autoritätshörig und dokumentengläubig, daß sich Padovers Kameraden zunächst amüsiert zeigten über diese "leidenschaftlichen Sammler von Papieren, zumal von amtlich beglaubigten, mit Unterschrift und Stempel versehenen Papieren", bis ihnen klarwurde, daß dies das Verhalten von Sklaven war, die Bürokraten anbeteten.

Ausweise waren etwas Heiliges, Menschen nicht. "Erst sehr viel später", schreibt Padover, "als ich in Buchenwald in einer Ecke die Leichenberge und in einer anderen die sorgfältig aufbewahrten Papiere der Ermordeten sah, wurde mir eine Eigentümlichkeit der Deutschen bewußt: es machte ihnen nichts aus, Menschen zu verbrennen, aber Dokumente wurden niemals verbrannt."

Padovers Buch, 1946 erstmals erschienen, hat in seiner schonungslosen Offenheit auch nach einem halben Jahrhundert nichts an Brisanz verloren.--Stephan Fingerle -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Kurzbeschreibung

Als die amerikanischen Truppen im Oktober 1944 von Belgien aus nach Deutschland vorstießen, folgte den ersten Panzern ein unbewaffneter Offizier, der perfekt Deutsch sprach. Sein Auftrag war es zu erforschen, was in den Köpfen der Besiegten vorging. Sein Absicht war es nicht in erster Linie, die Nazis zu entlarven. Das war nicht nötig. Dabei kam ihm zugute, daß die Deutschen noch keine Zeit gefunden hatten, sich komplizierte Ausreden zurechtzulegen. Die Zeit der Verdrängung und Deckerinnerung war noch nicht gekommen. Von der Bauerntochter bis zum Industriellen, vom Bischof bis zum Zwangsarbeiter, vom Nazibonzen bis zum kommunistischen Arbeiter hat er keine Schicht ausgelassen. Die Auskünfte zeugen von Mut und von kollektiver Depression, von Selbstmitleid und unbelehrbarer Arroganz. Auch von den politischen Auseinandersetzungen innerhalb der Militärregierung berichtet Padover und von den ersten Regungen einer deutschen Selbstverwaltung. Sein Bericht war einflußreich. es dürfte kein Zufall sein, daß diese wichtige Quelle nie ins Deutsche übersetzt worden ist. Auch nach einem halben Jahrhundert hat Padovers Bericht von seiner Brisanz nichts verloren.

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
Über die Bedeutung dieses Buches wurde in den vorherigen Rezensionen wohl schon genug geschrieben. Es bietet eine beeindruckende Momentaufnahme der Zustände in Deutschland zu einem Zeitpunkt, der von großer Bedeutung ist, von dem man sonst aber ein nur merkwürdig undeutliches Bild hat. Diese Lücke schließt "Lügendetektor" sehr gut.
Was aber anzumerken ist, sind Mängel in der vorliegenden Ausgabe, ich zitiere hierzu aus der Rezension zum Buch aus der FAZ vom 12.10.1999:
"Das Original hat sechsundsechzig Kapitel, die Übersetzung nur zweiundsechzig. Wolfgang Ferchel, Programmleiter des Eichborn Verlags, erklärt dies damit, dass man Teile des Berichtes, in denen die Fahrt Padovers durch Frankreich geschildert wird, herausgekürzt habe. Tatsächlich wurden aber auch die Interviews gekürzt. Das Beispiel des von der amerikanischen Militärverwaltung eingesetzten Aachener Bürgermeisters Franz Oppenhoff veranschaulicht die Vorgehensweise von Übersetzer und Herausgeber. Oppenhoff hatte eine Stadtverwaltung aus Männern aufgebaut, die, obwohl keiner der Spitzenleute Mitglied der NSDAP war, den Amerikanern als nicht demokratisch erschien. Es gab auch aus der Bevölkerung Anfeindungen, weil der Bürgermeister Nazis angestellt hatte. Oppenhoff selbst fand es unverschämt, "dass die Aachener eine Entlassung dieser Leute forderten", wie man nachlesen kann. Verblüffend beim Vergleich mit dem Originaltext ist, dass "imprisonment" mit "Entlassung" übersetzt wurde."
Das ist sehr schade, nimmt dem Buch aber nichts von seiner Faszination. Dem Text selbst gebe ich 5 Sterne, aufgrund der Übersetzungsmängel gibt es aber nur 4.
War diese Rezension für Sie hilfreich?
11 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
... der Rest ist deutschnational."

Auch wenn's nahe liegt: Das ist nicht das Ergebnis einer Studie über ostdeutsche Problemstadtteile, und auch nicht der Wunschtraum von Rechtspopulisten. Der Mann, der das schrieb, war ein amerikanischer Nachrichtenoffizier, der seine Erfahrungen im besetzten Deutschland der letzten Kriegstage zusammenfaßte.

Saul K. Padover wurde 1905 in Wien geboren, seine Familie wanderte 1920 in die USA aus. Nach einer Zeit als persönlicher Referent des amerikanischen Innenministers wechselte er 1943 in die Abteilung für Psychologische Kriegsführung. Ab dem Spätsommer 1944 vernahm er zahllose Menschen in den gerade von Amerikanern besetzten Teilen Deutschlands. Die Berichte, in denen er seine Erkenntnisse zusammenfaßte, bestimmten nachhaltig die Besatzungspolitik der Westmächte.

In "Experiment in Germany. The Story of an American Intelligence Officer" hielt er 1946 seine Erlebnisse und Eindrücke für ein größeres Publikum fest. Zu der Zeit hatte man in Deutschland anderes zu tun, als politische Bücher und Erlebnisberichte alliierter Soldaten zu übersetzen. Als im späteren Trizonesien und der frühen Bundesrepublik Muße und Papier für bessere Bücher vorhanden waren, dürfte das Buch kaum zu irgendeiner offiziellen Linie gepaßt haben. Und so wurde es erst 1999 ins Deutsche übersetzt.

Nazis hat es in Deutschland im Frühling 1945 keine mehr gegeben. Die kleine Clique, die mit Betrug, Terror und Gewalt ein ganzes Volk und Millionen von Widerstandskämpfern in Schach gehalten hatte, hatte sich zum größten Teil umgebracht, oder war verschwunden, oder bald gefangen. Ein paar "Bonzen" gab es hier und da noch, die ungerechtfertigterweise Reichtümer horteten, während der einfache Mann auf der Straße betrogen worden war, große Opfer gebracht hatte, und trotz seines Anstands und seiner Leiden nun vor einem Scherbenhaufen stand, den er selbst nicht verschuldet hatte, und mit Verbrechen konfrontiert wurde, von denen er nichts gewußt hatte.

Das ist so etwa die Legende. Padovers Buch paßt so gar nicht dazu. Er traf auf wohlgenährte Deutsche, denen es an wenig fehlte - bis auf Gedächtnisstörungen. Denn natürlich hatte jeder von dem gehört, was sich an der Ostfront abspielte, was in einem Konzentrationslager so passierte, daß die Juden aus der Nachbarschaft nicht nach Madagaskar ausgewandert waren. Er begegnete selbstmitleidigen und selbstgefälligen Männern, Frauen und Kindern, die sich als betrogene Opfer sahen, immer schon innerlich dagegen gewesen waren und nun den Zorn der Russen fürchteten. Ärzte, die zum Parteieintritt "gezwungen" worden waren, obwohl ihre Kollegen, die keine Parteigenossen waren, keine Repressalien zu fürchten hatten. Priester und Pfarrer, deren "Widerstand" sich bestenfalls im Schreiben jammervoller Traktätchen erschöpfte. "Unpolitische" Menschen, die nie etwas gewußt und immer nur Befehle ausgeführt hatten. Arbeiter, deren "Widerstand" darin bestand, nicht besonders fleißig zu sein. Sozialdemokraten und Kommunisten, die sich privat in der inneren Emigration befanden und trotzdem, natürlich widerwillig, ihre Arbeit leisteten. Alte Politiker, die die Amerikaner für die Befreiung dankten und auf die Nazis schimpften, aber selbst nicht mal die Verantwortung eines Bürgermeisteramtes übernehmen wollten. Frauen, die ganz besonders gelitten hatten - "über Jahre keine Apfelsinen und kein Bohnenkaffee!". Und immer wieder: Ein Volk, das Mitleid nur für sich selbst aufbrachte - das dafür reichlich.

Saul K. Padover begegnete dem Aachener Bischof, der den Mangel an Christlichkeit in der Welt bedauerte und als graue Eminenz eine von alten Nazigrößen beherrschte Verwaltung steuerte, russischen und französischen Arbeitssklaven, rebellischen Jugendlichen (die als "Edelweißpiraten" posthum zum Widerstand verklärt wurden), angepaßten Duckmäusern, Maulhelden, selbsternannten Spezialisten für die russische Mentalität, einem Volk, das so dickfellig war, daß es auch ohne jedes Rückgrat aufrecht stehen konnte.

Angesprochen auf die Nazizeit, kommt von den Zeitzeugen immer wieder ein "Ich habe nichts gewußt". Meistens erzählen sie dann ein oder zwei Minuten später, was sie doch alles gehört, gesehen, gedacht hatten. Daß sie aus Mitleid Brot "verloren" hatten, das von russischen Kriegsgefangenen aufgesammelt worden war. Wie schlimm der Hunger der Nachkriegszeit, die Vertreibung, der "Verlust der Heimat" waren, und wie die Russen gewütet hätten.

Die Übersetzung dieser Studie heißt dann auch nicht ohne Grund "Lügendetektor". Es ist ein hervorragendes Gegenmittel gegen die Legenden, die sich bis heute im öffentlichen Bewußtsein gehalten haben. Und man wird so manch einen Nachbarn, Bekannten oder vielleicht, stückweise, sich selbst wiederfinden.

Die Perspektive des Autors ist nicht ohne Sympathie, auch wenn er zum Ende hin immer weniger seine Angewidertheit verhehlt. Es ist spannend geschrieben, nüchtern, manchmal selbstironisch, ohne große Siegerpose oder Sendungsbewußtsein. Was er schildert, paßt gut zu dem, was z. B. die eher konservative deutsche Journalistin Hanna Fuess in den Spätvierzigern auf dem Lande festhielt - bevor das große Verdrängen begann.

Die Zeit autoritärer Regime in Deutschland scheint zwar fürs erste vorbei - trotzdem, auch um ein Verständnis dafür zu gewinnen, wie und warum Diktaturen funktionieren und wie die Katerstimmung danach in Selbstmitleid umschlägt, ist es einfach hervorragend geeignet.

Für jeden an Politik oder Geschichte Interessierten ein Muß!

(Die erwähnten Interviews von Hanna Fuess finden sich in Rainer Schulze, "Unruhige Zeiten. Erlebnisberichte aus dem Landkreis Celle 1945-1949", Oldenbourg (München) 1991, ISBN 3-486-54981-2)

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5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Gebundene Ausgabe
Im Gefolge der amerikanischen Panzer betreten Saul K. Padover und seine Kollegen das besiegte Deutschland. Ihre Aufgabe: Die Bevölkerung interviewen mit dem Ziel herauszufinden, wie sie über den Krieg denkt und wie sie sich die Zukunft vorstellt.

Padover trifft auf Menschen aller Schichten, vom einfachen Arbeiter, Angestellten, Selbständigen bis zum Bischof. Die Fragen, die Padover unter anderem stellt: Warum begann der Krieg? Wer trägt die Schuld? Wußten Sie über Greueltaten im Osten Bescheid? Wie soll die Zukunft aussehen? Die Antworten auf diese Fragen sind heute noch aktuell und machen das Buch wichtig und lesenswert.

Padover schreibt nicht als neutraler Beobachter. Wie kann er auch, er steckt mittendrin. Und so ist sein Buch auch ein Tagebuch der letzten Kriegsmonate und beschreibt die vielen Stunden Null in Deutschland.

Die Antworten, die er auf seine Fragen erhält, sind von erstaunlicher Offenheit, teilweise Naivität. Niemand hatte Gelegenheit (oder sah die Notwendigkeit), sich Deckgeschichten zurechtzulegen. Ja, alle haben von den Lagern und den Greueltaten gehört. Aber man habe ja nichts machen können, Befehl ist Befehl usw.. Padovers Beschreibung macht deutlich, welche Folgen die 12jährige Diktatur mit Terror und Propaganda in den Köpfen der Menschen hinterlassen hat - und wie sich viele mit dem System arrangiert haben.

Entschuldigungen läßt Padover nirgends gelten. Er gehört zu den Siegern, und das wird in dem Buch auch deutlich. Aber wer will ihm das verübeln? Und trotz aller Emotionen, die den Autoren überkommen, ist sein Bericht fair. Nicht zuletzt Eisenhower hat Padovers Bericht zu Rate gezogen und für seine zukunftsorientierte Deutschlandpolitik beherzigt.

Nach mehr als 50 Jahren hat das Buch nichts an Brisanz verloren - wohl auch ein Grund, es erst 1999 ins Deutsche zu übersetzen. Der eine oder andere Interviewpartner dürfte heute noch leben und mit den Antworten konfrontiert werden. Er wird sich aber in guter Gesellschaft befinden, denn viele Antworten hört man heute noch, wenn es zum Beispiel um DDR-Unrecht geht. Diese Aktualität ist ein weiterer Grund, das Buch zu lesen und sich die Frage zu stellen, ob und wie sich etwas geändert hat.

Wer sich ein Bild über die Denkweise und das Weltbild der Deutschen unmittelbar nach Kriegsende machen möchte, kommt an diesem Buch nicht vorbei. Es zieht den Leser von der ersten bis zur letzten Seite in seinen Bann. Und spätestens nach der letzten Seite wird man sich fragen: Was hätte ich getan, und wie hätte ich Padovers Fragen beantwortet?

Falls Amazon.de irgendwann mehr als fünf Sterne vergeben sollte, dieses Buch müßte immer die maximale Anzahl erhalten.

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