Dieser Roman ist kein Fantasieprodukt sondern traurige Realität. Louis Begley, ein New Yorker Anwalt, der als Ludwig Begleijter geboren wurde, hat als jüdisches Kind Krieg und Holocaust in Polen überlebt. Was er als Ich-Erzähler beschreibt, trägt starke autobiographische Züge.
Der kleine Maciek hat seine Mutter verloren, da diese im Kindbett verstarb, wächst aber trotzdem behütet in einer polnischen Mittelstadt auf. Sein Vater ist ein geachteter Arzt. Das Kind wird von seiner Tante Tanja, den Großeltern und einem Dienstmädchen umsorgt, bis die Katastrophe des Zweiten Weltkrieges hereinbricht. Damit beginnt eine Odyssee, welche die Familie nicht nur um ihren Besitz bringt, sondern diese auch völlig auseinanderreißt. Der Vater kämpft im Osten zusammen mit der Russischen Armee. Die Großeltern und Tanja mit dem kleinen Maciek entrinnen dem Ghetto und der drohenden Deportation mit falschen "arischen" Identitäten und getrennten wechselnden Aufenthaltsorten.
Maciek ist unter der Obhut Tanjas gezwungen, sich je nach Situation einen neuen Lebenslauf einzuprägen und sein ganzes Verhalten daran auszurichten. Er muß wie ein Schauspieler seine jeweilige Rolle lernen. Nur so können die beiden im Untergrund überleben, zunächst im galizischen Lemberg und später in Warschau, wo sie den ganzen Schrecken des Warschauer Aufstands und dessen Folgen miterleben. Der Feind besteht nicht nur aus deutschen Nazischergen, sondern auch aus den eigenen katholischen Landsleuten, weshalb nach dem Krieg aus Furcht vor Pogromen die falsche Identität beibehalten werden muss.
Begley schreibt aus der Sicht des Kindes, jedoch ohne eine infantile Sprache zu verwenden, mit einer Eindringlichkeit, die unter die Haut geht. Es scheint, als hätte der Autor erst nach jahrzehntelanger Verarbeitung der eigenen Erlebnisse, die Worte gefunden, um dieses Grauen zu beschreiben. "Maciek war ein Kind, und unser Mann hat eine Kindheit, die zu erinnern er nicht ertragen kann; er hatte sich eine Kindheit erfinden müssen."
Begley macht den Leser so betroffen, dass dieser dieses Buch nicht mehr aus der Hand legen mag.