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Timothy Spall spielt Cynthias Bruder, einen großen sensiblen Mann voller Liebe, der langsam aber sicher von seiner anspruchsvollen Frau (Phyllis Logan) zu Grunde gerichtet wird. Lügen und Geheimnisse sprüht geradezu vor einer geballten Ladung an Leben. Dabei geht es nicht um außergewöhnliche Ereignisse des Lebens, sondern um die kleinen Schlachten, die jeden Tag geschlagen und gewonnen werden. Leighs ehrliche Darstellung des Alltäglichen findet sich sonst nur auf der Bühne. Lügen und Geheimnisse ist allerdings realistischer als eine Bühnenproduktion, besonders wenn Leigh Szenen ohne Schnitte durchlaufen lässt. Der Kritiker David Denby bemerkt, dass Leigh einen "Ingmar Bergman-Film gemacht habe ohne eine Spur von Schwerfälligkeit und Anmaßung". Falls sich das so anhört, als könnte Ihnen die Geschichte gefallen, schauen Sie sich Lügen und Geheimnisse an. Der Film gewann 1996 die Goldene Palme und den Preis für die beste Schauspielerin (Blethyn) beim Film Festival in Cannes. --Doug Thomas
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Die junge Schwarze Hortense, aufgezogen von Adoptiveltern, ist auf der Suche nach ihren leiblichen Eltern. Als sie ihre leibliche Mutter Cynthia findet und besucht, offenbart sich eine Überraschung, denn diese ist weiß. Hortense gerät in den Kreis einer Familie voll von verschwiegenen Wahrheiten und menschlichen Problemen.
Hortense wird regelrecht aus ihrem geregelten Leben gerissen, die nach außen offene, junge Frau, die gut mit Menschen umgehen kann, lernt die andere Seite kennen. Beide Charaktere, Cynthia und Hortense, sind von Grund auf verschieden, genau wie sie sich in ihrer Hautfarbe unterscheiden. Cynthia lebt in ihrer verwahrlosten Wohnung, ihre einzigen Bezugspunkte sind der Alkohol, ihr Bruder Maurice sowie ihre andere Tochter Roxanne. Roxanne, die freilich nicht von der Existenz von Hortense wusste, ist jedoch bemüht, sich von ihrer Mutter zu lösen und es gelingt ihr, ohne viele Worte schlechte Stimmung zu verbreiten.
Doch die Begegnung mit Hortense motiviert Cynthia, sie wird lebensfroher, allerdings weiß noch keine ihrer biherigen Bezugspersonen etwas von Hortense, und es gibt noch einen ganzen Vulkan an unausgesprochenen Geheimnissen und Gedanken zu lüften...
Auf unkonventionelle Art versucht Regisseur Mike Leigh die Wirrungen und Geheimnisse, die eigentlich von Grund auf verschiedene Menschen verbinden, in seinem Film darzustellen, und das mit erstaunlichem Erfolg.
Großartige Charaktere mit ihren alltäglichen Problemen verleihen dem Film emotionale Härte, ohne ihn dabei jedoch schwerfällig wirken zu lassen. Vielmehr gelingt es Leigh mit einer ständig gegenwärtigen Parodie, gleichsam balancierend auf dem schmalen Grat zu Lächerlichkeit hin, die beklemmende Atmosphäre aufzulockern. Die Figuren wirken naiv, obgleich immer klar bleibt, was geschieht; eine durchgehende Spannung infolge immer neuer Aufdeckungen sorgt ständig für Überraschungen und fesselt von der ersten bis zur letzten Minute.
Es geht nicht um das Außergewöhnliche, sondern um die kleinen Probleme des Lebens; das Werk impliziert eine Aufforderung, die Wahrheit nicht zu verschweigen, gleich, wie die Folgen auch aussehen mögen.
Und zu guter Letzt wird beinahe jeder die Stimmungen und Gedanken der Protagonisten nachvollziehen können, sei es nun Cynthia, die sich in ihrer annähernd peinlichen Natur verzweifelt an ihre Tochter Roxanne klammert, oder Hortense auf der Suche nach Ihrer leiblichen Mutter.
Wer dann noch das Vergnügen hat, diese Charakterstudie in Originalton (Englisch) zu genießen, wird restlos begeistert sein, denn leider geht in der deutschen Synchronisation einiges von dem bissigen Humor verloren.
FAZIT: Ein Meisterwerk, die Goldene Palme für den besten Film und die beste Schauspielerin (Brenda Blethyn alias Cynthia) in Cannes sind abolut gerechtfertigt.
Volle fünf Sterne!!
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