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Löwenmaul und Irisschwert: Gartengeschichten
 
 
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Löwenmaul und Irisschwert: Gartengeschichten [Gebundene Ausgabe]

Barbara Frischmuth , Herbert Pirker
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)

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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Löwenmaul und Irisschwert versammelt vergnüglich versponnene Geschichten zu einem Gang durch das Gartenjahr in Barbara Frischmuths Garten. Die Autorin hat sich nach zahlreichen Romanen vor allem einen Namen als Gartenkennerin und -literatin gemacht. 73 Photographien von Herbert Pirker zeigen die botanische Schönheit von Frischmuths Altausseer Privatgarten.

Über den Autor

Barbara Frischmuth wurde am 5. Juli 1941 in Altaussee (Steiermark) geboren und studierte ab 1959 zunächst Englisch und Türkisch, dann Ungarisch und Türkisch (Dolmetscherin) an der Universität Graz, erhielt 1963 ein Dolmetsch-Diplom in Türkisch und 1964 einen Abschluss als akademisch geprüfte Übersetzerin, 1964-66 studierte sie Orientalistik ohne Abschluss in Wien. Seit 1966 ist Frischmuth hauptberuflich Schriftstellerin und Übersetzerin. Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen (u. a. Österreichischer Kinder- und Jugendbuchpreis 1972, Anton Wildgans Preis 1973, Franz Nabl Literaturpreis 1999, Ehrenpreis des österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln 2005).
In ihren Erzählungen, Romanen und Theaterstücken setzt sie sich mit der Situation der Frau in der Arbeitswelt auseinander und behandelt die Begegnung von orientalischer und westlicher Kultur. Darüber hinaus hat sie zahlreiche Werke aus dem Englischen und Ungarischen übersetzt.

Auszug aus Löwenmaul und Irisschwert von Barbara Frischmuth. Copyright © 2003. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Haustierwechsel
Es war nicht so, daß ich eines Tages in einer Gartenzeitschrift einen Rosenbogen gesehen und
sofort beschlossen hätte, mir einen zuzulegen. Die Idee reifte langsam und hartnäckig, bis sie
zur fixen Idee wurde. Die erste und wichtigste Frage, die sich dazu stellte, war: wo? Ich
begann also zu überlegen, und da vor meiner Nase gebaut werden sollte, hatte ich ohnehin
schon mit einer Hecke geliebäugelt. Nicht mit irgendeiner, es mußte schon eine prachtvolle,
ins Auge stechende sein, sollte sie mir doch den Dachstein-Blick ersetzen. Ich entschied mich
nach langem Hin und Her für eine Blutbuchenhecke, erstens weil ich eine Schwäche für diese
Färbung habe, was all die Bluthaseln, Blutberberitzen, die Blutpflaume und der wunderbare
Perückenstrauch in meinem Garten bezeugen. Zweitens hatte ich in natura noch nie eine
großzügig angelegte Blutbuchenhecke gesehen, und drittens weckte sie Erinnerungen an die
riesige Blutbuche im Garten meiner Kindheit. Ich fing an, den herbstlichen Garten unter dem
Blickpunkt eines Rosenbogens zu betrachten. Eigentlich blieb nur der Fuß des südlichen
Abhangs an einer kleinen Privatstraße, während die Einfahrt an der größeren Straße liegt, aber
die wäre für einen Rosenbogen ohnehin zu breit gewesen. Dennoch, die Frage lautete noch
immer: wo genau? Dann kam der Schnee und mit ihm die Antwort. Tiere sind, wie die
meisten Menschen auch, Gewohnheitstiere. In der Nachbarschaft gibt es eine Reihe von
Haustieren, die es sich zur Gewohnheit gemacht haben, mich mehrmals am Tag zu besuchen.
So als gingen sie auf einen Schluck, einen Bissen und gelegentlich auf ein Nickerchen (hier
nennt man das diwandeln) ins nächstgelegene Wirtshaus. Ich werde aus diesem Grund nie
saubere Fenster haben, da die Katzen sie tagtäglich vollschmieren, wenn sie sich mit rotziger
Nase und nassen Pfoten bemerkbar machen, aber auch nie mit Futterresten verkrustete
Katzenschüsselchen, denn der sogenannte Kampfdackel, eine streitbare Hundedame aus der
Umgebung, schleckt alles spiegelblank. Beinah immer, wenn ich die Küchentüre öffne, um
frische Luft zu schöpfen, stürmt irgend jemand herein, manchmal auch größere Hunde, die
nur am Wochenende oder in den Ferienwochen hier wohnen und einfach der Spur gefolgt
sind. Und diese Spur gab schließlich den Ausschlag. Plötzlich sprang mir ins Auge, daß
offensichtlich alle Tiere auf demselben Weg den Hang heraufkamen. Im Schnee war das
deutlich zu sehen. Der Dackel hatte vorgetretelt, und die Katzen stapften, ob aus purer
Bequemlichkeit und um sich den Bauch nicht naß zu machen oder weil auch ihnen dieser
Weg als Direttissima galt, in der Hundespur zum Haus herauf. Ich hätte Gift daraufnehmen
können, daß nachts auch die Rehe und sogar die Hasen diese Route bevorzugten. Und da alle
ganz genau wissen, wer wann um die Wege ist, lassen sich unliebsame Begegnungen ganz gut
vermeiden. Die Spur hatte ich auch schon in den Jahren davor bemerkt, sie aber nie weiter
beachtet. Doch nun war mir klar geworden, daß ein Rosenbogen nur über diesem
Haustierwechsel stehen konnte. Und ich bilde mir ein, den Dackel dabei beobachtet zu haben,
wie er, als er das erste Mal durch den Rosenbogen trottete, stutzte und mit dem Schwanz
wedelte. Es kann aber auch sein, daß ihn nur der Geruch nach frischer grüner Farbe, die ich
gerade aufgetragen hatte, verwunderte. Mittlerweile benützen auch Menschen den
Haustierwechsel, vor allem im Sommer, wenn ich auf der Terrasse schreibe und die
Hausglocke nicht hören kann oder will. Die winterliche Spur ist aber die bei weitem
überzeugendere. Nachdem das Wo geklärt war, hatte ich mich auch noch um das Wie des
Rosenbogens zu kümmern. Da der Winter hier rauh und der Boden steinig ist, sollte es ein
stabiles Stück sein, robust genug, um dem vielen Schnee, der beim Fräsen der darunter
liegenden kleinen Straße auf ihn fallen würde, standzuhalten. Also ließ ich mir von einem
Schmied einen anfertigen, mit mehreren Längs- und Querstreben, der dann von zwei Männern
tief genug in die Erde gerammt wurde, um Wind und Wetter zu trotzen, nicht wie der
wesentlich kleinere aus Plastik, den ich probehalber bei einem Gartenversand bestellt hatte
und der dann im umzäunten Gärtchen landete, wo er wahrscheinlich nur deshalb noch steht -
wackelig, wie er von Haus aus war -, weil die Himbeeren ihn derart überwuchert haben, daß
er gar nicht umfallen könnte, selbst wenn ihm danach zumute wäre. Die Frage aber, die am
längsten zu ihrer Entscheidung brauchte, war, welche Rose den Rosenbogen erst zu einem
solchen machen sollte. Ich gustierte lange und schwankend in meinen Vorlieben, verstieg
mich in Durftorgien und Farbräusche und litt unter dem Zwang zur Beschränkung, schließlich
hatte ich nur einen Rosenbogen, der diesen Namen verdiente. Nach langer Rücksprache mit
dem hiesigen Gärtnermeister wurde es dann mit Rücksicht auf ihre Strapazierfähigkeit >New
DawnNew DawnKermesinaMinuetNew DawnChocolate SoldierMan o' WarNew DawnChocolate Soldien< hat sich
bereits im ersten Jahr nach seiner Verpflanzung mit einer einzelnen, herrlichen Blüte
erkenntlich gezeigt.
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