Das Auffallendste an "Löwenkäfig" ist nicht etwa die Tatsache, daß er im Hochsicherheitstrakt des Gefängnisses von Buenos Aires gedreht wurde, sondern der unerträglich hohe Geräuschpegel - Säuglinge, die am laufenden Band schreien; wildgewordene weibliche Häftlinge, die ausdauernd keifen und/oder auf irgendetwas eindreschen, sowie Wärter, die noch lauter schreien. Die ersten 48 Minuten bestehen vornehmlich aus solchem Gebrüll und einer dürren Handlung, die danach allerdings auch nicht viel profunder wird. Untermalt von Krawallen aller Art sind die Dialoge oft zur Gänze unverständlich (was kein Verlust ist, wie man bald merkt). In weiser Voraussicht haben die Drehbuchautoren (vier an der Zahl!) jedoch dafür gesorgt, daß Textstellen oft minutenlang wortwörtlich wiederholt werden, damit auch derjenige, der die Ton-aus-Taste betätigt hat, dann doch noch etwas von den keineswegs geistreichen Wortwechseln und dem endlosen Gehämmere an Gefängnistüren mitbekommt. Was den Inhalt betrifft, so ist er schnell erzählt: die blutbeschmiert aufwachende schwangere Heldin sieht blutige Männer in ihrer Wohnung, nimmt eine Dusche, fährt zur Arbeit, kommt zurück und hat einen Nervenzusammenbruch, während dessen sie unter viel Geschrei um Hilfe ruft. Die vor der Tür stehende Polizei schafft sie ins Gefängnis, wo sie ihr Kind zur Welt bringt und vier Jahre lang aufzieht. Das dauert 48 Minuten Laufzeit. Danach kommt der von seinen Wunden genesene Liebhaber Ramiro zu Besuch, es gibt einen exaltierten Aufstand samt allgemeinem Aufruhr, weil die Mutter der Tochter den Sohn vorenthält, Weihnachten findet statt mit Männern, Feuerwerk und Ringelpietz, der bislang ebenfalls einsitzende Ramiro wird entlassen, nachdem er vom Gericht frei und seine ehemalige Geliebte schuldig gesprochen wurde; dank einer Freundin, die ihre Haft verbüßt hat, gelingt es unserer gebeutelten Heldin, mittels Geld und falscher Pässe über die Landesgrenze zu entfleuchen, Ende vom Lied. Die schauspielerischen Leistungen sind unterschiedlich zu gewichten: Maria Gusman wahrt weitestgehend eine unbeteiligte Miene, wenn sie nicht wieder einmal schreien muß, Rodrigo Santoro als Ramiro macht eine gute Figur, Laura García mimt die resolute Gefängnisfreundin, ohne einen nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen. Letzteres trifft auf den gesamten Film zu, den man, kaum daß er schließlich sein erstaunlich stilles Ende gefunden, schon vergessen hat.