Eine Marktlücke wird geschlossen - endlich ein Buch, in dem lösungsorientiertes Coaching zusammenfassend dargestellt wird! Markus Stobbe beginnt mit einer Einführung in das Konzept der Lösungsorientierung, stellt die problemorientierte Formulierung von Klientenanliegen der lösungsorientierten Form gegenüber, zeigt die wesentlichen Problemlösungstechniken vor und widmet sich dann den Fragetechniken des lösungsorientierten Coachings. Zwei kurze Kapitel über Teamentwicklung im Einzel- und im Gruppencoaching schließen das Buch ab.
Am Ende frage ich mich, für wen diese Zusammenfassung gedacht ist: Der Text ist mit viel Tempo geschrieben, gut gegliedert, ansprechend und leicht lesbar, wenn man im Grunde schon recht gut weiß, worum es geht. Bloß - wozu brauche ich dann dieses Buch? Und wie erkenne ich, wofür ich es verwenden kann?
Als Nachschlagewerk ist es doch offenbar nicht gedacht, denn wie würden dazu die jedem Kapitel angehängten und, Verzeihung, etwas aufgesetzt wirkenden Überlegungen passen, mit denen der Autor nachweisen will, dass sich lösungsorientiertes Coaching rechnet.
Als ein Lehrbuch, nach der ein Anfänger bis leicht Fortgeschrittener lösungsorientierte Coaching-Methoden lernt, ist es aber auch nicht wirklich geeignet. Die Beispiel-Dialoge sind zwar einsichtig und zeigen klipp und klar, worauf es ankommt, sind aber ohne entsprechende Hinweise so stark verkürzt, dass der Eindruck entsteht, man könnte tatsächlich innerhalb weniger Sätze den Klienten zu ihren Problemlösungen verhelfen. Auf praktische Probleme, etwa dass Klienten unter der Last ihrer Sorgen zunächst einmal ihren Coach mit Problemschilderungen zuschütten, geht Stobbe aber nicht wirklich ein. Wie mühevoll auch meisterhaft geführte lösungsorientierte Gespräche in Wirklichkeit ablaufen, zeigen in aller Aufrichtigkeit etwa de Shazer's eigene Texte.
Hinsichtlich ihrer praktischen Anwendbarkeit völlig fraglich sind schließlich die beiden Kapitel zur Teamentwicklung. Sie sind so komprimiert geschrieben, dass völlig aus dem Blickfeld gerät, dass gerade dieses Thema als „hohe Schule" des Coachings viel, viel mehr Aufmerksamkeit, Praxishinweise und detaillierte Anweisungen verdient und braucht. Wobei der Eindruck entsteht, dass Markus Stobbe hier aus seinem Erfahrungsschatz leicht mehr liefern hätte können: die wenigen substantiellen Anregungen, die er gibt, zeugen von seiner offenkundig perfekten Beherrschung des Themas.
Hinzu kommen etliche Druckfehler und, besonders lästig, „tote" Literaturhinweise auf Werke, die im Literaturverzeichnis unauffindbar sind.
Um Alternativen zu finden und Ideen zu generieren, was man „beim nächsten Mal" oder „auch noch" ausprobieren könnte, das wäre vielleicht eine Anwendungsmöglichkeit für dieses Buch. Aber - ob sich das rechnet? Das Thema hätte wahrlich mehr verdient. Mehr Inhalt, mehr Tiefe, mehr Sorgfalt. Vielleicht hätte weniger Rechnungsorientierung mehr Lösung möglich gemacht.
Die Marktlücke ist kleiner geworden; verschwunden ist sie noch nicht.