Nachdem ich mich in einige Bücher von Steve de Shazer eingelesen habe - und mich über die komplizierte Schreibweise geärgert habe - kam dieses Buch gerade recht. Der Autor vermittelt einem auf sehr gut lesbare Art und Weise die Prinzipien und das Verständnis von Lösungsorientierter Beratung.
Da er dabei explizit die Gedanken der Vorreiter dieser Therapierichtung würdigt, eignet sich dieses Buch sehr gut als Recherchefundus. Man bekommt dutzende hervorragende Ideen präsentiert, dazu zahlreiche Fallstudien, die das Gesagte festigen.
Gerade diese Fallstudien und die zahllosen Fragen, die er als Therapeut dem Patienten stellt, machen dieses Buch in meinen Augen auch sehr geeignet für Patienten, die ihre Ängste, Depressionen, Phobien, was auch immer angehen möchten. Ich denke, der Ansatz nicht in der Vergangenheit oder in den jetzigen Problemen zu kramen, ist für sehr viele Leute sehr geeignet. Mal nicht davon ausgehen, warum es einem schlecht geht, wieso die Phobie sich entwickelt hat und wie man dagegen vorgehen kann, sondern vielmehr zu sagen, was ist eigentlich, wenn Sie keine Probleme haben? Was ist das für ein Gefühl? Welche Situationen sind problemlos(er), wann freuen Sie sich und denken positiv, entwickeln Mut? etc. etc. Diese Situationen und Gelegenheiten, zu denen es einem besser geht, zu suchen und zu stärken, das ist eines der Anliegen, die vermittelt werden.
Dabei wird deutlich, dass es weniger darum geht, Dinge aufzuarbeiten - man denkt bereits genug darüber nach - als vielmehr zu lernen, die Probleme als solche zu akzeptieren. Je häufiger aber die Situationen und Gelegenheiten, in denen man entspannt und gelockert ist, desto besser auch der Umgang mit der eigenen Problematik.
Was hier auf den ersten Blick gerade für Patienten vielleicht absurd klingen mag, hilft aber tatsächlich. Und der Autor bringt die Prinzipien sehr verständlich näher, ohne sich in endlose Fachsimpeleien zu verlieren. Einzig sein Vorziehen mancher Vokabeln wie "utilisieren", "konnotieren", ... sind manchmal ein wenig störend, aber das ist mein persönlicher Eindruck.
Kurz, dieses Buch würde ich sehr allen empfehlen, die
- als Therapeuten einige Hilfsmittel an die Hand gereicht haben wollen
- als Patienten eine andere Sichtweise erlernen wollen.