Die Autorin erklärt zu Anfang, man könne auch ohne Vorwissen gut im Buch zurecht kommen und viel mitnehmen. Ich stimme ihr da nur begrenzt zu.
Der erste Teil des Buchs mit der ausgiebigen Erörterung von Steve de Shazers lösungsorientem Ansatz erklärte mir diesen wesentlich verständlicher, als de Shazer dies selbst durch seine ersten beiden Bücher "Wege der erfolgreichen Kurztherapie" und "Der Dreh" darlegen konnte.
Vor allem durch die zahlreichen Fragen an den Leser selbst unterscheiden sich diese Ausführungen wesentlich von de Shazers Büchern. Allein dieser Teil rechtfertigt in meinen Augen schon(fast) den Kaufpreis. Es wird wirklich gut strukturiert und verständlich eingeführt.
Als dann aber im zweiten Teil mit der Systemischen Strukturaufstellung angefangen wurde, fühlte ich mich immer überfahrener. Es wurde viel erklärt und ausgeführt, dass ich garnicht einordnen konnte, bevor nach und nach mal wenige praktische Übungen folgten(Das Buch als solches bietet viele Übungen, jedoch sind diese auch über die umfangreiche Seitenzahl etwas verteilt).
So machte ich schon vor der Hälfte des Buchs einen Break und lass erst einmal "Ganz im Gegenteil" von der Autorin und Matthias Varga von Kibed. Dort wird wesentlich langsamer in das Thema eingeführt.
Ich würde jedem empfehlen, zuerst "Ganz im Gegenteil" zu lesen, weil man die Inhalte von "Wunder, Lösung und System" dann wesentlich besser auffassen und(vor allem!) praktisch nutzen kann.
Ich halte die Denkansätze der Autorin nicht nur für eine Weiterentwicklung von Systemischer Strukturaufstellung und Lösungsorientierter Kurztherapie". Auch Ideen von Watzlawick, Selvini Palazzoli und ähnlichen fließen hier mit ein und werden verständlicher dargestellt und weiterentwickelt.
Nachtrag am 12. April 2008:
Das Buch, sein Vorgänger "Ganz im Gegenteil" und sein Nachfolger "Systemische Strukturaufstellungen. Theorie und Praxis" waren die einzigen Bücher, die mir in meiner bis jetzt 7-jährigen Erfahrung mit Selbsthilfe wirklich geholfen habe. Ich habe gerade angefangen, "Ganz im Gegenteil" erneut zu lesen und denke heute noch oft an die Einsichten, die ich bei der damaligen Beschäftigung mit den Systemischen Strukturaufstellungen gewann. Bücher zu anderen Kurztherapieformen und der Konstruktivismus haben in mir sicher einen guten Boden bereitet, auf dem die "Systemischen Strukturaufstellungen" ihre volle Wirkung entfalten konnten(Letztere waren aber die ersten, die wirklich praktische und langfristige Veränderungen bei mir hervor riefen). Bei mir erwiesen sich die Selbsthypnose-CDs von Werner Eberwein als sehr hilfreich, um Erfahrungen aus Aufstellungen zu verarbeiten oder zu vertiefen.
"Wunder, Lösung und System" geht sicher tiefer als "Ganz im Gegenteil". Gerade das darin beschriebene "Last-Übergabe-Ritual" und die Einbeziehung von Vergangenheit und Zukunft sind einfach nur genial und können mit Sicherheit bei jedem Leser tiefgreifende und langfristige Veränderungen(Vorausgesetzt natürlich, man macht die darin aufgeführten Übungen und Experimente - Und wird auch mal kreativ und probiert auch mal Aufstellungen, die nicht Schritt für Schritt in Übungen beschrieben werden).