Ein scheinbar harmloser Kriminalfall endet mit einem Mord, verschiedenen Anschuldigungen und unerwarteten Wendungen. Highsmiths Lösegeld für einen Hund ist eine spannende Geschichte rund um die Entführung eines Hundes.
Greta und Edward Reynolds wohnen bescheiden und glücklich in einer Mietwohnung in der Nähe des Riverside Park in New York. Edward, der als Verlagslektor arbeitet, begibt sich an einem Herbstabend wie üblich auf einen Spaziergang mit seiner Pudelhündin, Lisa. Als er durch den Stadtpark schlendert, verschwindet Lisa plötzlich und kehrt nicht mehr zurück. Ziemlich schnell stellt sich heraus, was Greta und Ed aufgrund unzähliger Drohbriefe geahnt haben: Jemand hat Lisa entführt. Schon bald treffen im Hause der Reynolds auch erste Erpresserbriefe ein. Ed soll dem Entführer 1000 Dollar zahlen und auf keinen Fall die Polizei beiziehen. Nachdem Ed das Lösegeld bezahlt hat und seine Lisa doch nicht zurückbekommt, geht er zur Polizei.
Vom Jäger zum Gejagten
Clarence Duhammel, mit seinen 24 Jahren der jüngste Polizist der zuständigen Wache, nimmt sich des Falles an. Clare, wir er von seiner Freundin Marylyn genannt wird, hilft den Reynolds, die ihm auf den ersten Blick sympathisch sind. Nicht nur dank seines Uniabschlusses in Psychologie sondern auch aufgrund seiner polizeilichen Fleissarbeit und seiner Ideale überführt Clarence den Täter relativ schnell. Kenneth Rowajinksi, ein Psychopath, der am Rande der Gesellschaft von einer mageren Invalidenrente lebt, hat sowohl den Hund entführt, als auch das Lösegeld eingesackt. Der Fall scheint ziemlich schnell erledigt, als es zu einer jähen Wendung kommt: Clarence steht plötzlich selber im Zentrum der Ermittlungen. Er soll dafür verantwortlich sein, dass Rowajinski entwischen konnte, wofür ihm dieser einen Teil des Lösegeldes bezahlt haben soll. Der Druck und die Belastung für Clarence wird so gross, dass seine Beziehung zu Marylyn in die Brüche geht.
Milieustudie
In Lösegeld für einen Hund steckt mehr als ein Kriminalroman: Die Grande Dame des Psychothrillers stellt die Aufklärung des scheinbar simplen Kriminalfalls in den Hintergrund ihrer Erzählung. Vielmehr stehen die verschiedenen Charaktere und ihre Rolle und ihr zwanghaftes Verhalten bei der Entführung der Pudelhündin im Mittelpunkt. Die Gratwanderung zwischen den menschlichen Abgründen und dem vom Zuhörer ersehnten Happy End gelingt Highsmith vorzüglich, wenn auch Highsmithkenner die Katastrophe voraussehen und wissen: Es wird keinen Ausweg geben.
Das vom Westdeutschen Rundfunk produzierte Hörspiel (u.a. mit Catrin Striebeck, Florian von Manteuffel, Kathrin Angerer, Andrea Sawatzki) ist eine gelungene Interpretation des 1971 erstmals erschienen Thrillers und Patricia Highsmiths 15. Roman. Die dezenten Geräuschkulissen, die lebhafte Darstellung der Sprechenden und die Klaviermusik zwischen den Kapiteln versetzen die Zuhörer in die authentische Atmosphäre der späten sechziger in New York.