Da spricht Francoise(Anne Consigny), die Ehefrau von Stanislas Graff(Yvan Attal), dem Präsidenten einer Firma mit 130.000 Mitarbeitern, einen Satz aus, der die gesamte Familie erschüttert. Denn: Stanislas wurde entführt. Jetzt verlangen die Entführer ein Lösegeld von 50 Millionen Euro. Eigentlich müsste dieser Betrag in der Schatulle der Graffs locker vorhanden sein; ist er aber nicht. 20 Millionen; mehr Geld kann Francoise nicht zusammenkratzen. Und die Firma, die so große Stücke auf ihren Präsidenten hielt, hat bereits die Entscheidung getroffen, dass ihr das Firmenkapital in jedem Fall wichtiger ist, als Graffs Leben.
Der muss mittlerweile leiden. Die Entführer schneiden ihm einen Finger ab und schicken ihn der Firma. Helfen tut das Graff jedoch nicht. Die Polizei ermittelt gnadenlos in seinem Umfeld und es kommen ein paar Dinge heraus, die besser ungesagt geblieben wären. Da wären zum Beispiel drei Verhältnisse mit jüngeren Frauen, ein Appartement, das Graff seit 15 Jahren für Schäferstündchen nutzt, Spielschulden, die der Präsident mit zwielichtigen Gestalten produziert hat.
Während Graff, in der Gewalt der Entführer, jeden Tag mit seinem Tod rechnet, zerbrechen die Strukturen seines Wohlstandslebens und der eigenen Familie in Tausend Stücke. Francoise muss erkennen, dass sie und ihre Töchter lediglich der vierte Kreis in Stanislas Leben waren. Stanislas hingegen hängt an seinem Leben, ohne zu ahnen, dass all die Dinge, für die sich sein Leben lohnte, schon längst zu Staub zerfallen sind...
-Lösegeld- ist ein etwas anderer französischer Thriller. Der eigentliche Mittelpunkt der Story, die Entführung und ihr Ende, sind im Grunde genommen nur Beiwerk. Vielmehr hat sich Lucas Belvaux um das Drumherum des Stanislas Graff und seiner ach so wohlbehüteten, wohlhabenden Welt, in der mehr der Schein als das Sein regiert, befasst. Belvaux zeigt eindrucksvoll, wie schnell sogenannte Freundschaften, Beziehungen und auch die Liebe sich in schweren Zeiten in Nichts auflösen können. Ganz egal, wie reich und mächtig Du bist, der Platz an der Sonne kann ziemlich schnell im Schatten liegen. Bis Graff das erkennt, passiert eine ganze Menge in -Lösegeld-. Dabei ist Belvaux Film kein reinrassiger Thriller, sondern eher eine spannende Milieustudie, die uns glasklar aufzeigt, dass man im Haifischbecken niemals ohne Aufsicht schwimmen sollte.
Mein Fazit: -Lösegeld- ist ein Film, den so nur das französische Kino hervorbringen kann. Detailverliebt, am Ende mit ganz starken Dialogen und wirklich hervorragenden Schauspielern. Ein wenig an der Mainstreamspur vorbei und gerade dadurch interessant. Keine schnelle Kost für zwischendurch, eher etwas für Zuschauer, die neben Unterhaltung auch ein wenig Anspruch suchen. Wenn sie mit diesem Ansatz an -Lösegeld- herangehen, stehen ihnen zwei spannend-unterhaltsame Stunden bevor.