Der Titel des neuen Buches der österreichischen Autorin Eva Menasse "Lässliche Todsünden" ist ein Widerspruch in sich und in der christlichen (Moral-)Theologie nicht gebräuchlich. Nun aber ist Literatur keine Theologie, und so kann der Leser gespannt darauf sein, was Eva Menasse in ihrem neuen Buch daraus gemacht hat.
Eva Menasse hat - orientiert an den sieben Todsünden: Trägheit, Gefräßigkeit, Wollust, Zorn, Hochmut, Neid und Habgier - Erzähltexte geschrieben, die einerseits in sich geschlossen sind, andererseits doch viel miteinander zu tun haben. Ihre "Todsünden" sind allerdings nicht "gegen Gott gerichtet", sondern eher Reflexionen des eigenen Verhaltens. Der Begriff der Sünde wird bei Eva Menasse sozusagen säkularisiert
Auch wenn die Themen immer die gleichen sind. Um Liebe und Hass geht es und um Schuld und Vergebung. Nichts also hat sich geändert - nur, dass es den strafenden Gott nicht mehr zu geben scheint. So "bestraft" sich der "träge" Familienvater, der sich nicht gegen Frau und Tochter durchzusetzen weiß, selbst durch den Verzicht auf sein eigenes kleines Glück. Und da gibt es die hochmütige Karin und die wollüstige Hilde, die nur um "ihre eigenen Verletzlichkeiten" wissen. Den Kampf mit der Komplexität von Liebe und Sex kämpft ein junges Ehepaar, indem es sich gegenseitig zum Pfleger und Kranken und umgekehrt macht.
Es sind die Sünden der Alltäglichkeit, Momentaufnahmen des Lebens, die Eva Menasse mit den Möglichkeiten der Literatur schildert. Und das macht sie kunstvoll und sprachlich hervorragend. Den "Wesenkern des Menschen zu enthüllen" hat sich die Autorin zur Aufgabe gemacht. Das ist ihr mit diesen sieben kleinen Erzählungen bestens gelungen. Denn für die Autorin Eva Menasse sind "Bibel und christliche Theologie" immer noch "Kraftwerke künstlerischer Produktivität".
Dem Leser mag am Ende die Erkenntnis bleiben, dass die "Todsünden" des Menschen von heute in der Tat nur "lässlich" sind - und damit vergeben werden können: vom Menschen selbst.