'Der Verstand weiß viel, Mademoiselle, aber das Herz, das einmal verwundet wurde, braucht lange, um zu akzeptieren, dass man es nicht mit Absicht gemacht hat.' (S. 185)
Ich weiß, meine Meinung scheint sich sehr von allen anderen zu unterscheiden, dennoch oder gerade deswegen will ich sie hier äußern.
Das Buch wird von Kyria in der Ich - Perspektive erzählt und das führt mich zu meinem ersten Kritikpunkt: Auch wenn man alles aus ihrer Sicht erfährt kann ich nicht viel über Kyria sagen, da man nicht viel über sie erfährt. Sie ist ein unreifes Mädchen, dem man nicht abkauft, dass es gerade 18 geworden ist. Sie verhällt sich wie eine kleine Göre. Zwar ist sie in ihrem Leben nur mit Samthandschuhen angefasst worden und was Arbeit heißt weiß sie sicher nicht, aber diese emotionale Unreife finde ich einfach lachhaft. Sie ist aufbrausend und zickig, verhält sich regelmäßig nicht nachvollziehbar - einfach unsympathisch. Ich habe trotz 381 Seiten keine Verbindung zu ihr aufgebaut. Und dann muss man noch bei jedem kleinsten Wehwehchen ihre Todesangst erstragen, wobei man beim Lesen sofort versteht, dass ihr auftretender Schwindel oder ihre Wadenschmerzen einfach gar nichts mit dem Sterben zu tun haben.
Auch die Nebencharaktere sind nicht sonderlich interessant. Nicht einer von ihnen hat mich neugierig gemacht und meinen Wissensdurst entfacht. Sie waren identisch, langweilig und allesamt freundlich zu einer verwöhnten Göre, warum auch immer. Und Reb war - oh Wunder - charakterlich komplett identisch mit Kyria. Zickig, kindisch und absolut unsympathisch. Ich hatte nicht einmal das Gefühl, dass die Charaktere ausgebaut sind oder wirklich durchdacht, was ich doch von einer guten Geschichte erwarte.
Die Liebesgeschichte ist nichts Neues - zwei Charaktere prallen aufeinander, können sich nicht leiden und entwickeln dann doch mit der Zeit Gefühle füreinander. Soweit so gut, ich habe tolle Geschichten mit dieser Grundlage gelesen. Aber das muss man dann eben auch gut umsetzen. Doch hier scheint die Umsetzung daraus zu bestehen, dass Kyria und Reb sich gegenseitig necken - und das nicht einmal amüsant - und dann stellt man eben mal fest, dass man das auf einmal zu schätzen lernt. Es ist vorhersehbar und gähnend langweilig.
Die Story ist ganz in Ordnung. Aber die Spannung lässt wirklich zu wünschen übrig. Erst einmal dauert es wirklich, bis das Buch einen neugierig macht (bis ca. S.150 muss man durchhalten und bis dahin hatte ich mehrfach überlegt, das Buch aus der Hand zu legen) und dann wird mögliches Potential leider nicht ausgeschöpft. Kurz vor dem Ende, wo dann mal etwas Spannung aufkommen könnte, wird das Ganze so langwierig ausdiskutiert, bis es einmal zur Sache kam, dass ich dann einfach froh war, dass es vorbei war. Viele Informationen erhält Kyria durch Zufälle, es ist ja auch wirklich praktisch, immer auf Leute zu stoßen, die bereitwillig alles erzählen, was sie wissen und dann auch noch bereitwillig Informationen suchen, ohne einen eigenen Nutzen aus dem Ganzen zu tragen. Das stellt mich einfach nicht zufrieden, ist zu offensichtlich und zu leicht. Kyria muss einfach nichts machen, um Informationen zu erhalten, auf ihrer Reise erfährt sie es ja sowieso durch glückliche Begegnungen...
Ein riesen Kritikpunkt gibt es auch für die Welt, in der Kyria lebt. Nicht, dass sie nicht interessant ist, man erfährt einfach nur kaum etwas darüber. Kyria beschreibt kaum etwas von den Dingen, die sie kennt oder sieht und neu kennen lernt. Ich konnte mir oft die Umgebung kaum vorstellen. Und dann wurde einfach zuwenig über das politische System erklärt. Kyria lebt angeblich in einem Überwachungsstaat. Das Einzige, was daran erinnert, ist ein ID, den jeder am Körper tragen muss und auf dem alle wichtigen Daten der Person gespeichert sind und der Alarm gibt, wenn er keine Temperatur oder Pulsfrequenz mehr abgibt. Erst später erfährt man dann auch noch beiläufig, wie die Überwachung auch durch Kameras etc. stattfindet, was am Anfang nicht wirklich erwähnt wird. Das ist meiner Meinung nach für einen Überwachungsstaat wirklich zu wenig.
Und zuletzt der Schreibstil... Man kann dam Geschriebenen gut folgen, die Sätze sind leicht und flüssig. Was mich aber wirklich von Anfang bis Ende gestört hat ist die Form der Gespräche. Meistens bestehen sie darin, dass nur immer einzelne Sätze ausgetauscht werden, einfach aneinander gereiht. Wenn dann noch jemand drittes ins Spiel kam fiel es schwer zu folgen, weil teilweise nicht einmal gesagt wurde, wer gerade spricht, man musste es dann aus dem Inhalt erahnen. Ich weiß gar nicht, wie ichs wirklich beschreiben soll, daher hier mal ein Beispiel aus einem Gespräch zwischen Kyria und Reb:
"Streck dein Bein aus, Princess!"
"Kann ich nicht."
"Gott, das alte Lied schon wieder. Ausstrecken!"
Ich schniefte.
"Heulsuse."
Es war mir egal.
"Jämmerliche Elitezicke!"
"Ich sterbe!"
"Quatsch. Jetzt streck dein Bein aus."
(...)
(S.80)
Mir fehlt Emotion dabei, eine Beschreibung der Bewegungen oder sogar der Schmerzen. Es kommt einfach langweilig rüber, beim Leser kommt dabei einfach keine Stimmung auf.
Fazit:
Meiner Meinung nach leider nicht lesenswert. Weder die Geschichte, der Schreibstil noch die Charaktere haben mich überzeugt. Und es ist das erste Mal bei einem Buch, das ich absolut nicht an der Fortsetzung interessiert bin.