Nach dem etwas schwächlichen vierten Teil (Kydd-Auf Erfolgskurs) ein guter fünfter Band in alter Kydd-Manier.
Nun ja, nicht ganz. Schließlich fährt Tom Kydd nun nicht mehr "vor dem Mast", sondern als Offizier auf dem Achterdeck. Das gibt der Story atmosphärisch einen völlig anderen Touch und daran muss man sich zunächst einmal noch gewöhnen. Anfangs wartet man deshalb ständig darauf, dass man wieder Einblicke in die Welt der einfachen Matrosen erhält. Aber dies bleibt sowohl dem Leser als auch Tom Kydd verwehrt, obwohl er sich nach der rauen Geselligkeit der Matrosen zurücksehnt.
Das ermöglicht es jedoch, Kydds Perspektive auf dem Achterdeck und auch seine große Isolation nachzuempfinden. Denn sosehr er sich auch bemüht findet er doch keinen rechten Anschluss unter den Gentlemen, zu denen er ja jetzt auch gehört. Seine Herkunft legt ihm zunächst ständig Steine in den Weg. Kydds grenzenlose Naivität in gesellschaftlichen Gepflogenheiten wirkt dabei aber keineswegs lästig, sondern macht ihn vielmehr authentischer. Und ebendiese Naivität und Bodenständigkeit ist schließlich ausschlaggebend für ihn, das Blatt zu wenden.
Dieser Teil hat - wie ich finde - keinen richtigen Handlungsfaden, vielmehr besteht die Story aus mehreren aufeinander folgende Episoden, die jedoch nicht unbedingt zusammenhanglos wirken. Überhaupt konzentriert sich dieser Band dabei nicht so sehr auf die Seefahrt, sondern legt viel Wert darauf, Kydds Entwicklung aufzuzeigen und die Gründe für sein (wohl unweigerlich im nächsten Band folgendes) Vorankommen zu erklären.
Natürlich bewältigt Kydd dabei seine Abenteuer - wie schon zuvor - mit Hilfe vieler ziemlich regelmäßig auftretenden glücklichen Fügungen und Zufallsbegegnungen (womit ihm in seinen bisherigen fünf Jahren zur See mehr Glück beschieden gewesen sein dürfte als manchem Normalsterbliche in einem ganzen Leben). Damit hat man sich aber bereits seit dem ersten Band abgefunden und tut dem Lesevergnügen keinen Abbruch. Ausserdem muss Kydd ja auch - vollkommen unerfahren als Offizier - einige Niederlagen einstecken.
Trotzdem muten manche eingeschobenen Handlungsstränge leider als bloße Lückenfüller an, wie um noch ein paar Seiten in diesem bisher schmalsten Band beschreiben zu können, wodurch schon mal kleinere Längen entstehen.
Ansonsten aber ein sehr kurzweiliges Lesevergnügen, dass Aufschluss gibt, in welcher Richtung Kydds weitere Karriere wohl verlaufen wird. Freue mich schon auf den nächsten Teil!