Über den Film möchte ich gar nicht so viele Worte verlieren, jeder, der sich für diese Blu-ray interessiert wird ihn wohl kennen. Dass er auch nach 25 Jahren so packend ist und auch bei einer Laufzeit von zwei Stunden keine Durchhänger hat und dabei ganz ohne Action und dramatische Spitzen auskommt ist schon eine herausragende Leistung, die man in erster Linie den beiden hervorragenden Hauptdarstellern zu verdanken hat.
Dass dies auch ganz anders hätte kommen können erfährt man in der äußerst ausführlichen Dokumentation "Tangled Web" mit einer Laufzeit von sage und schreibe 108 Minuten, in der praktisch keine Frage offen bleibt und viele nie gestellte Fragen beantwortet werden. So erfahren wir, dass wir nur einem komplett neu erstellen Schnitt des Films zu verdanken haben, dass dieses Meisterwerk überhaupt jemals ins Kino kam. Denn haben wollte die Urfassung kein Studio und selbst um die endgültige Fassung hat sich keiner gerissen und wurde von 'wahren Kulturkennern' wie den Reagans verschmäht. Eigentlich ist das ja schon eine Auszeichnung für den Film. Die anderen Featurettes sind bei weitem nicht so informativ. Wenn ich den Film nochmal anschaue werde ich mal den Trivia-Track einschalten, vielleicht birgt der noch weitere Details. Kann ich mir aber fast nicht vorstellen. Alles in allem kommt man beim Bonusmaterial auf eine Laufzeit von 2,5 Stunden, was für einen Low-Budget Film, der erstmals auf einem digitalen Medium bei uns erscheint, wirklich erstaunlich ist.
Nun zur Blu-ray selbst: Einen Vergleich kann und braucht man zum Glück nicht anzustellen, denn bisher gab es nur eine Veröffentlichung auf VHS. Hier wurde nicht die xte Neuauflage zelebriert und der Kunde immer und immer wieder von neuem gemolken mit einer leicht verbesserten Special Edition oder ähnlichem. Nein, man musste einfach nur sehr sehr lange warten und bekommt dann dafür praktisch gleich die ultimative Blu-ray, kann also auch die zeitgleich erschienene DVD gleich überspringen. Das nenne ich mal eine lobenswerte Veröffentlichungspolitik.
Der Ton: Es wurde ein 5.1 Upmix in beiden Sprachen erstellt. Man sollte hier aber keine allzu hohen Erwartungen stellen. Ich kannte bisher nur einen Mono-Mix und dem ist der Surround-Ton um Längen überlegen. Auch einige Backsurround-Töne haben sich in dem dialoglastigen Film auf die hinteren Kanäle getraut und das immer passend und nie aufdringlich. Auch die seltenen Musikeinlagen sind schön über alle Kanäle verteilt und sorgen für angenehme Räumlichkeit. Die Dialoge sind gut verständlich, wobei ich hierbei ausdrücklich die fantastische Synchronfassung erwähnen möchte. Ich wage fast zu behaupten, dass Williams Hurts deutsche Stimme noch überzeugender ist als seine originale. Sie klingt noch etwas melancholischer und auch femininer. Der leider zwischenzeitlich verstorbene Randolf Kronberg liefert hier die beste Leistung seines Lebens ab. Wer es nicht weiß wird es kaum glauben: Ihn kennen wir vor allem als hysterische Stimme von Eddie Murphy. Bis zu seinem Tod hat er auch William Hurt permanent seine wandlungsfähige Stimme geliehen. Raul Julia wird von dem überaus talentierten Wolfgang Condrus gesprochen, den man vor allem als Stammsprecher von Sam Neil, Ed Harris und Jeff Daniels kennt. Auch er kann hier mit seiner Wandlungsfähigkeit auftrumpfen durch weinen, schreien, flüstern und fluchen. Wer den Film so ursprünglich wie möglich hören möchte dem hält die BD die beiden originalen Mono-Tonspuren bereit. Somit kann man auch sehr schön vergleichen und hören, dass eine neue Abmischung tatsächlich eine Bereicherung darstellen kann.
Das Bild: Der Film wurde aufwändig restauriert. Natürlich ist prinzipiell mehr drin bei einer Restaurierung. Es gibt viele noch deutlich ältere Filme, bei denen ein sehr viel überzeugenderes Ergebnis erzielt wurde. Nur muss man natürlich bedenken, was für ein Ausgangsmaterial zu Grunde liegt und vor allem welche finanziellen Mittel zur Verfügung stehen. Bei einem Nischenfilm wie "Der Kuss der Spinnenfrau" steht kein finanzkräftiges Major-Studio dahinter, das gerne mal die eine oder andere Million spendiert um einen Klassiger aufwändig zu restaurieren. Man kann ja nicht davon ausgehen, dass die enormen Kosten wieder durch den Verkauf von DVDs und Blu-rays eingespielt werden. Nichtsdestotrotz hat "Der Kuss der Spinnenfrau" nie besser ausgesehen. Vor allem analoge Defekte wurden ordentlich entfernt. Die Schärfe ist eher mittelmäßig, vergleichbar mit einer durchschnittlichen DVD dafür bleibt aber auch ein Filmkorn relativ unsichtbar. Die Film-im-Film Szenen in Sepiatönen sind leider eine Katastrophe. Natürlich war das schon ursprünglich als Stilmittel gewollt, hebt sich nun aber äußerst negativ vom restlichen Film ab. Zum Glück halten sich (nach dem Umschnitt vor der Kinoaufführung) diese Szenen im Rahmen. Auch die bläulichen Traumsequenzen sehen eher aus wie ein altes VHS-Band. Hier konnte man wohl einfach nicht mehr aus dem Ausgangsmaterial rausholen. Sehr schade.
Alles in allem muss man einfach dankbar sein, dass diese Filmperle endlich fürs Heimkino erschienen ist. Und das ohne große Umwege, einfach nur mit einer extrem langen Verzögerung. Mit einer besseren Veröffentlichung sollte man nicht rechnen, deshalb mein Tipp: Zugreifen und bei einigen Szenen ein bisschen die Augen zukneifen und nicht so empfindlich sein. Der Film ist vollkommen zeitlos und sollte in keiner Cineasten-Sammlung fehlen.