Dieser Roman kommt erst einmal ungewöhnlich daher, entpuppt sich aber mit der Zeit als recht typischer Kampf um ein Königreich. Er wird nicht jedem liegen, ist aber spannend zu lesen.
Ungewöhnlich ist die Perspektive der masochistischen Heldin Phèdre, die in einer erotisch betonten Kultur, in der Prostitution ein institutionalisierter Dienst an gottähnlichen Wesen ist, als zunächst eher ungewünschtes Kind zur einzigartigen gebildeten Kurtisane mit Spionageaufgaben heranwächst.
Anfangs stehen die erotische Ausbildung und die überwiegend sadomsochistischen Treffen mit verschiedenen Freiern, die durchaus detailliert geschildert werden, im Mittelpunkt der Erzählung. Schon früh deutet sich jedoch ein große Verschwörung an, die das ganze Reich gefährdet. Diese nimmt immer mehr Raum ein, so dass bald erotische Szenen Sätzen wie "Was danach geschah, muss nicht erzählt werden." weichen.
Diese Haupthandlung ist durchaus spannend und liest sich gut. Sie enthält so ziemlich alle klassischen Elemente - von erfüllter und unerfüllter Liebe über Verrat und Kampf bis zur schönen Erbin des Reiches. Im Vergleich zu anderen Fantasygeschichten gibt es dagegen wenig Magie, eher Hellseherei, und auch "nur" Menschen - keine Trolle, Elfen oder Fantasywesen. Trotzdem treten viele interessante Figuren auf.
Das Setting ist stark an der uns bekannten Welt orientiert. Die Karte zeigt Europa mit anderen Ländernamen. Auch die beschriebenen Völker haben starke Ähnlichkeit mit europäischen Kulturen wie Kelten, Pikten, Germanen, italienischen Stadtstaaten, Frankreich,... Ebenso sind die beschriebenen Religionen aus Christentum, Judentum oder germanischen Göttern abgeleitet.
Wer sich also an derartigem Setting, wenig Magie oder Erotikszenen stört, wird keine Freude an diesem Buch haben. Wer trotzdem eine phantasievolle Mantel-&- Degen- Geschichte lesen mag, kann durchaus seinen Spaß haben. Für mich kein Muss, aber definitiv unterhaltsam.