Das Buch lässt mich doch sehr zwiegespalten zurück.
Einerseits kann ich nur immer wieder den großartig, poetischen Sprachstil der Autorin hervorheben. Auch in der Übersetzung ist er sehr gut eingefangen und wiedergegeben. Sie kann alles, auch wirklich alles auf unglaublich ästhetische Art und Weise beschreiben.
Ich war auch sehr zufrieden mit dem ersten Teil (also mit den ersten 200-250 Seiten).
Ähnlich wie im ersten Teil (Das Zeichen) gefiel mir die Zeit in Terre D'Ange sehr gut. Mystisch, politisch, poetisch und emotional, doch sobald das vertraute Territorium verlassen wird (im ersten Teil auf diese seltsamen Inseln und dann nach Skaldia) im zweiten Teil nach La Serenissima, beginnt bei mir zunehmend die Langeweile.
Ständige Wiederholungen, wie viel Geduld Phedre aufbringen muss, wie oft sie warten muss, wie viel Langweile sie hat. Irgendwann übertragen sich genau diese Umstände auch auf den Leser. Intrigen hin oder her, aber es passierte lange Zeit einfach nichts.
Für einen kurzen Moment, als das Problem zu einem Höhepunkt kommt, konnte Carey mich wieder überraschen. Aber die Handlung flachte sehr schnell auch wieder ab. Dann kam La Dolorosa und ich hatte Hoffnung, dass jetzt wieder Spannung aufkommen würde. Aber ich lag daneben. Wieder geschah lange Zeit einfach nichts. Dann wieder ein kurzer Moment Action. Viel Leid, viel Schmerz und ständige Selbstzweifel und Selbstmitleid. Da habe ich mich stellenweise durch das Buch beißen müssen. Aber man hat ja Hoffnung, dass es wieder besser wird.
Irgendwann habe ich zwischendurch einfach die Nerven verloren und das Buch zur Seite gelegt. Für diesen Band habe ich im Vergleich zu anderen Büchern extrem lange gebraucht.
Als ich es wieder zur Hand nahm, wurde ich mit einigen interessanten Szenen mit den Illyriern und auf Kriti belohnt. Aber wie gesagt, auch das beschränkte sich auf einige Szenen. Die meiste Zeit wird das Innenleben der Protagonistin beleuchtet. Und Phedre wurde mir zunehmend unsympathischer. Gott sei Dank führt Carey einige neue Charaktere ein, die mit ihrem Charme und ihrem Lebensgeist ein wenig Pepp in die Sache bringen.
Auch hat das Buch 'Begründungsschwächen' nenne ich das mal. Damit meine ich, dass einige Beweggründe der Figuren einfach nicht nachvollziehbar sind und überzogen wirken. Da hätte man sich an manchen Stellen deutlich mehr Mühe geben können, was schade ist.
Ich hoffe sehr, dass es sich hier um den obligatorischen, meist eher schwächeren zweiten Teil einer Trilogie handelt und der dritte Teil an die Brillianz des Ersten anschließen kann. Trotz meiner eher negativen Meinungen ist 'Der Verrat' nicht schlecht.