Wer schon mal etwas von Roald Dahl gelesen hat, müsste eigentlich wissen, dass er kein Schriftsteller erotischer Szenerien ist. Da liegt nicht sein Schwerpunkt - in keinem seiner Bücher. Tabuloser schwarzer Humor ist das Stichwort (bis auf seine Kinderbücher natürlich). Moralische Grenzen werden dabei hin und wieder überschritten. Dies geschieht jedoch auf eine so absurde und gleichzeitig fast erschreckend menschliche Art und Weise, dass der Leser seine Geschichten nicht einfach kopfschüttelnd beiseite legen, sondern - ganz im Gegenteil - sogar darüber lachen kann. Vorausgesetzt natürlich, Sarkasmus trifft den humoristischen Geschmacks des potentiellen Lesers.
In "Kuschelmuschel" werden vier unterschiedliche Geschichten erzählt. Alle handeln von Sex. Dies war nicht nur mutig angesichts der Tatsache, dass er dieses auch heutzutage intime Thema bereits im Jahr 1974 aufgegriffen hat. Viel gewagter ist die Methode, über den menschlichen Trieb so ehrlich, gelassen und authentisch zu sprechen und die Stories dann so makaber enden zu lassen, dass einem entweder alles vergeht oder man tatsächlich von Herzen lacht. In dem Buch werden menschliche Schwächen, körperliche wie seelische, auf überspitzte und krasse Weise "dargestellt". Trotz des überwiegend Grotesken, steckt in jeder Geschichte ein Quäntchen Wahrheit. Auch wenn es manchmal schwer einzugestehen ist.
Fakt ist: Roald Dahl ist durchweg Geschmackssache. Wer Sarkasmus mag und ihn nicht mit bösen Absichten in Verbindungen bringt, wer es versteht, über Fehler und Verletzlichkeiten des Menschen lachen zu können, wer weiß, dass Mensch auch grausam sein kann, eben weil er Mensch ist und all das mit einem Augenzwinkern kommentieren kann - dem kann ich das Buch empfehlen. Andernfalls sollte man lieber die Finger davon lassen. Mir persönlich gefällt Roald Dahl, habe aber mit "Küsschen, Küsschen" den besseren Griff gemacht. Daher 4 Sterne.