Voller Erwartungen auf einen wahren Spitzenroman stürzte ich mich auf "Klaras lange Reise zu den Scilly Inseln", hatte der Roman doch fast nur 5 Sterne und - zum Zeitpunkt als ich das Buch gekauft habe - nur einmal 3 Sterne als "schlechteste" Bewertung.
Wie das so mit hohen Erwartungen ist - sie werden häufig enttäuscht. Aber das soll nicht heißen, dass das Buch nicht lesenswert ist. Es waren wohl eher meine Erwartungen, die einfach überzogen waren.
Wichtige spitituelle Themen wie Selbstverantwortung für die eigene Gefühlswelt und die Macht der Gedanken werden sehr gut dargestellt und verständlich rübergebracht. Das Buch ist leicht zu lesen und hat immer wieder sehr gelungene Passagen, die sehr anschaulich sind und mich berührt haben.
Als der "Wow"-Knaller, den ich erwartet hatte, hat sich das Buch dann aber nicht herausgestellt. Das Motiv der (phyhsischen) Reise, das im Titel und im Rückentext hervorgehoben wird, kommt im Roman selbst nicht sehr zur Geltung und spielt letztlich auch keine besondere Rolle. Etwas schade finde ich, dass bestimmte Geschehnisse (wie der Beginn der Freundschaft von Klara mit Melissa, um eines zu nennen) oder Eigenschaften der Hauptcharaktere mal eben "schnell" in wenigen Sätzen oder gar nur mit Adjektiven abgehandelt werden.
Zwischen den einzelnen Geschehnissen, anhand derer die spirituellen Themen erläutert werden, fehlen mir fließende Übergänge, die es mir erlaubt hätten, mich wirklich tief in die Hauptfigur hinein zu versetzen. Mir drängte sich beim Lesen etwas zu oft der Eindruck auf, die Erlebnisse von Klara wären nur Mittel zum Zweck der Erläuterung von spirituellen Themen. Nicht, dass dieses Mittel zum Zweck falsch wäre, im Gegenteil. Aber für mich war es einfach zu offensichtlich, zu direkt, zu wenig subtil.
Ich könnte mir vorstellen, dass dieses Buch, wenn die nicht wenigen Aspekte, die für meinen Geschmack zu schnell umschrieben oder gar ausgelassen wurden, mit der gleichen Präzision und Empathie beschrieben worden wären, wie so manch andere sehr gelungene Passage (s.o.), dann wären meine hohen Erwartungen (= eine unendeckte Perle der deutschen Literatur zu finden) wohl erfüllt worden. Allerdings wäre das Buch dann wohl eher 1000 Seiten stark oder ein Mehrteiler geworden.
Für alle, die sich dem, was es zwischen Himmel und Erde noch so gibt, auf spielerische und eher sanfte Weise nähern möchten, ist Klaras lange Reise sicher ein guter Einstieg. Viel mehr kann aus meiner Sicht aber nicht erwartet werden.