Gestern habe ich die Buchbesprechung im Spiegel zu "Kurzschluss" gelesen und mir daraufhin gleich das Buch gekauft. Ein Buch, das eigentlich jeder lesen sollte, dem unsere heutige Gesellschaft nicht vollkommen schnurz ist, insbesondere aber Lehrer, Eltern und jeder, der daran glaubt, dass man im Kleinen Großes bewirken kann, dass eine Veränderung der Gesellschaft im Umgang mit unseren Kindern und Mitmenschen beginnt und beginnen muss! In dem Buch geht es um den Erfurter Amoklauf. Jens Becker, der Autor, ist seines Zeichens Dokumentarfilmer. Er ist nach dem schrecklichen Amoklauf - 17 Menschen wurden getötet! - nach Erfurt gefahren und hat dort mit den betroffenen Schülern 9 Monate Medienunterricht gemacht und sie Kurzfilme drehen lassen. Er hat sie einfach begleitet, gearbeitet mit Ihnen und in gewisser Weise auch Aufarbeitung betrieben. Somit ist er zur Vertrauensperson geworden, was dieses Buch wohl auch erst möglich gemacht hat. Es enthält Interviews von Anfang 2005 über die Zeit drei Jahre nach dem Amoklauf. Da kommt der Vater zu Wort, der den Blick seiner kleinen Tochter nicht vergessen kann, nach seiner Mitteilung "Mama kommt nicht wieder", da kommen Schüler zu Wort, die pendeln zwischen neuem Lebensmut und panischer Erinnerung. Da ist die Traumatherapeutin mit einer sehr klugen Analyse der Umstände und hoffnungsvollen Ausblicken. Der Oberbürgermeister Ruge kommt genauso zu Wort wie Friedrich Schorlemmer. Das ganze Buch bildet eine Mischung aus sehr intimen, berührenden Berichten unmittelbar Betroffener und kritischen Kommentaren nicht ganz unmittelbar Betroffener. Das Buch ist einfach ein Muss für jeden!