Was bleibt? Diese Frage stellt sich am Ende eines Romans und auch am Ende eines Lebens. Kermanis Roman Kurzmitteilung hinterlässt eine Menge: nachhallende Gedanken über den Umgang mit dem plötzlichen Tod eines Bekannten, lebhafte Erinnerung an eine kurzweilige und kluge Lektüre, selbstkritische Reflexion über chauvinistische Vorurteile und ein Ende mit einem Plot, das ich wohl nicht mehr vergessen werde. Nicht zuletzt aber auch die Erkenntnis, dass man mindestens zweimal stirbt - erst leibhaftig und dann in der Erinnerung der anderen. Kermani schreibt unverblümt, sehr direkt und geschliffen - ein Stil, den man sich nur leistet, wenn man was zu erzählen hat. Dariusch, die Hauptfigur, bietet mit seinen provozierenden Bekenntnissen, Ansichten und seinem beneidenswerten Lebensstill den LeserInnen jede Menge Reibungsfläche.
Den Anlass zu dem Roman gab offensichtlich Claudia Fenner, eine bekannte Schauspielerin in Köln, die 2005 vierzigjährig einem Hirnschlag erlag. Der Roman spielt so authentisch in Köln, das fast zu fürchten ist, dass sich so manche Figur zu erkennen glaubt und ein benanntes Unternehmen gar ungehalten reagieren könnte. Doch ein kleiner, öffentlichkeitswirksamer Skandal um dieses Buch, wäre ihm zu wünschen.