Ich bin selbst Medizinstudent, weshalb ich hier aus der Sicht eines Anfängers schreibe.
Positiv:
Das Buch vermittelt in einem ansprechenden Layout, wichtige Dinge sind dick gedruckt, schnell und kompakt einen Überblick über die wichtigsten Krankheitsbilder der Inneren. Man fühlt sich nicht von den "Heroldschen-Dünnpapier"-Seiten mit Schreibmaschinen Stakkato ohne Punkt und Komma erschlagen. Dafür ist das Buch nicht vollständig, was aber, für Anfänger, sicherlich eher Vorteil als Nachteil ist.
Negativ:
Ich hatte die Gelegenheit 1. mit 2. Auflage zu vergleichen und muss sagen: Nicht schön, was Thieme hier abliefert!
Meiner Ansicht nach handelt es sich nur um eine Korrektur von krassen Rechtschreibfehlern aus der ersten Auflage. Auch die mysteriösen Verweise aus Kapitel 1 ("siehe Tabelle 6") sind jetzt weg. Meiner Ansicht nach gehört soetwas allerdings VOR Erscheinen der ersten Auflage gemacht! Inhaltlich hat sich fast nichts getan. Die größten Änderungen der 2. Auflage:
- Der einführende Fall von Kapitel 10 Steht jetzt bei Kapitel 9 und umgekehrt: Man hatte sie in der Vorauflage einfach vertauscht!
- In Kapitel 6 (Endokrinologie) findet man jetzt endlich die Gicht und Porphyrie als zusätzliche Unterkapitel. Die wurden vorher einfach vergessen...
- z.B. die TBC Weltkarte in Kapitel 3 (wow!, WHO 2006 statt 2003)).
- Neuer Zeilenabstand, sodass das Buch beim Durchblättern jetzt ein wenig anders daherkommt und insgesamt weniger dick ist.
Weiterhin muss man bedenken, dass die Kapitel von unterschiedlichen Autoren verfasst wurden. Das merkt man. Meiner Meinung nach ist Kapitel 7 "Niere" ziemlich schlecht geschrieben (zugegebenermaßen wohl auch ein schweres Thema): Eine Aneinanderreihung von "möglichen Ursachen" für z.B. eine membranproliverative oder fokal-segmentale Glomerulonephritis.. Eine weiteres "Unding" stellt für mich Kapitel 2 dar: Wer nebenher im Herold blättert wird merken, dass dieses Kapitel unter Auslassung einiger spezieller Krankheitsbilder einfach ziemlich dreist vom Standardwerk abgeschrieben wurde (was zugegebenermaßen allerdings nicht unbedingt schlecht ist). Trotzdem muss man doch verlangen können, dass die Autoren eigene klinische Erfahrung einbringen...
Fazit: Obwohl mein "negativ" Text jetzt recht lang geworden ist: Ich würde das Buch wieder kaufen. Wer über offensichtliche Flüchtigkeitsfehler hinweglesen kann (z.B. "Zyklusregierung" statt "Zyklusregulierung" ;-) ) und die Gicht irgendwoanders nachliest, kann ruhig bei der ersten Auflage im Antiquariat zugreifen und ein bisschen Geld sparen.