Wer das entsprechende Alter hat, wird sich erinnern, wie in den 90er Jahren das Geraune einsetzte, bevor Michael Manns Kultthriller "Heat" in die Kinos kam: Robert DeNiro und Al Pacino - zwei der Giganten amerikanischer Schauspielkunst - in einem Film, und zwar gemeinsam auf der Leinwand! Zuvor waren beide in "Der Pate II" aufgetreten, leider jedoch jeder in einer der verschiedenen Zeitebenen des Films, so daß keine gemeinsamen Szenen zustande gekommen waren. "Heat" sollte also DER Moment auf der Leinwand sein. Und dann gab es auch da "nur" 2 relativ kurze Szenen, in denen sich die beiden die Leinwand teilen mussten (wenn auch eine davon epochemachend war). Nun denn, dachte sich der geneigte Fan dieser Schauspieler, vielleicht, irgendwann, wer weiß...
"Righteous Kill", deutscher Titel: "Kurzer Prozeß", sollte nun der Film sein, in dem Pacino und DeNiro gemeinsam wirklich einen ganzen Film bestreiten. Einen Copthriller. Serienmörder inklusive. Was hat man sich drauf gefreut!
Tom "Turk" Cowan (Robert DeNiro) und David "Rooster" Fisk (Al Pacino), sind Partner bei der Polizei von NYC. Beides alte Haudegen, fällt ihnen bei ihrem neuesten Fall auf, daß sie es mit einem Opfer zu tun haben, welches in einem anderen Prozeß freigesprochen wurde. Das Opfer eines weiteren Verbrechens identifizieren sie ebenfalls als früheren Beschuldigten in einem Gerichtsverfahren. Bei beiden Leichen wurden kurze Gedichte gefunden, die das Opfer verhöhnen, zugleich aber darauf hinweisen, daß der Täter wohl mehr über seine Opfer und deren Vergangenheit als vermeintliche Täter wusste, als es jemand gekonnt hätte, der mit den Fällen nicht vertraut gewesen wäre. Der Polizeichef Lieutenant Hingus (Brian Dennehy), der zunächst unbedingt Turk und Rooster wollte, verfällt zusehends - wie auch andere Kollegen der beiden - der Theorie, daß man es hier nicht nur mit einem Serienmörder zu tun hat, sondern offenbar mit einem aus den eigenen Reihen, also einem Polizisten. Und da alle Opfer, es werden immer mehr, bis schließlich 14 Morde aufzuklären sind, offensichtlich zu Unrecht ihre jeweiligen Prozesse als Beschuldigte verschiedenster Kapitalverbrechen als freie Männer überstanden, scheint man es auch mit einer Art von Selbstjustiz zu tun zu haben. Turk steht schnell unter Verdacht, denn nicht nur hatte er irgendwie mit einigen der Opfer noch Kontakt, nein, er ist auch bekannt als jähzornig bis hin zur Gewalttätigkeit. Rooster - der fest von der Unschuld seines Freundes und Kollegen überzeugt ist - steht schnell allein da mit seiner Treue zu Turk...
Vielleicht täte man dem Film einen Riesengefallen, wenn man ihn erst gar nicht als Thriller, Krimi oder sonst etwas aus der Spannungsecke ankündigen würde. Sondern eher als eine Art Drama: Der alternde, einer anderen Zeit verhaftete Polizist (Mann), der mit den Anforderungen und Werten einer "neuen Zeit" nicht klar kommt und somit anfängt, Recht und Gesetz selbst in die Hand zu nehmen; oder als das Drama zweier Männer, die aufgrund ihrer Jobs vom Schlechten im Menschen überzeugt sind und nicht mehr wissen, wie sie mit einer Wirklichkeit klarkommen sollen, die sich ihnen zusehends entzieht; oder als Geschichte zweier Freunde, denen zusehends ihre berufliche Pflicht ins Gehege ihrer Freundschaft kommt; oder...
...oder vielleicht hätte man besser das Drehbuch nochmal ganz genau gelesen und all die unausgegorenen Szenen neugeschrieben, all die Dialogzeilen gestrichen, die selbst von einem Al Pacino vorgetragen einfach nur hölzern wirken, all die Unglaubwürdigkeiten der Handlung neu überdacht und vor allem all die Windungen und krummen Wege, die die Story nehmen muß, um überhaupt mal an einem Punkt anzukommen, etwas grader hingebogen - vielleicht, und nur vielleicht, wäre dann ein etwas interessanterer, spannenderer und seinen Hauptdarstellern (die diesen Film angeblich unbedingt machen wollten) angemessenerer Film dabei herausgekommen. Aber wahrscheinlich eher nicht.
Die ganze Anlage des Films wirkt schon schwach und verschwurbelt, wobei man ihm immer ansieht, welche anderen Filme er sich als Vorbild sucht. Sei es "French Connection", sei es (natürlich) "Heat" - an keinen dieser Klassiker und Wegmarken reicht dies hier auch nur im Entferntesten ran, eher ist es schon peinlich, diese Filme mit diesem Machwerk in einem Atemzug zu nennen. Mit Robert DeNiro und Al Pacino wurde hier die beste Besetzung, mit der ein Regisseur wie Jon Avnet ("Grüne Tomaten") je die Chance hatte zu arbeiten, einfach verscheuert. An ein schlechtes Drehbuch, eine schlechte Story und letztlich an einen schlechten, unausgegorenen Film, der zwischendurch mit extremer Brutalität bei diversen Ballereien, meint, wett machen zu müssen, was ansonsten nie irgendeinem Anspruch gerecht werden würde. Allein - auch das reicht nicht.
Schade. Wir werden weiter warten und hoffen und immer weider aufschrecken und erwartungsvoll ausharren, wenn davon die Rede sein sollte, daß Pacino und DeNiro geminsam vor der Kamera...wirklich....ganz, ganz wirklich...? Wir warten...