Aus der Amazon.de Redaktion
"Willst Du mal eine krasse Geschichte hören?" -- so beginnt eine der Geschichten in den
Kurzen Interviews mit fiesen Männern von David Foster Wallace -- aber eigentlich könnte jede Unterhaltung in diesem Buch so anfangen. Denn was wir zu hören oder besser: zu lesen bekommen, sind in der Tat eher unangenehme Geständnisse. Ein Einarmiger schildert genüsslich und mit unverhohlenem Stolz, wie er die Frauen reihenweise mithilfe seiner gelähmten Hand ins Bett bekommt, ein anderer breitet den Alltag seines Vaters, der im Nobelhotel die Männerklos säuberte, in allen nur denkbaren akustischen und olfaktorischen Einzelheiten aus. Zunehmend verstört lauschen wir sodann der Leidensgeschichte einer anonymen "depressiven Person", die sich im überdrehten Psycho-Jargon selbst zugrunde analysiert und dabei ihre Therapeutin zu Tode redet, während zwei Seiten weiter ein beziehungsgestörter Supermacho seiner (baldigen Ex-)Freundin seine Angst gesteht, er sei "vielleicht von Natur aus allein zum Anbaggern geschaffen, mit der unausweichlichen Konsequenz danach sofort die Schubumkehr zu aktivieren und abzuhauen."
Auf den ersten Blick wirken Wallaces Interviews wie Gesprächsprotokolle aus dem Ton-Archiv von Hans Meiser oder Jerry Springer. Doch das täuscht. Mag der Gestus des öffentlichen Geständnisses oder der fernsehgerechten Nachmittagsprovokation auch hier zu finden sein, die "fiesen Männer" (und Frauen) sind bei Wallace eher einsame Sprachbesessene, die ihre verqueren Fantasien und monströsen Macken ohne Rücksicht auf Regie und Einschaltquoten im wahrsten Sinne des Wortes vor sich ausbreiten. Konsequenterweise lässt Wallace die Fragen der unsichtbaren Gegenüber gänzlich unausgesprochen; weder simuliertes Mitleid noch therapeutische Distanz schützen so die Leser vor diesen psychopathologischen Anschlägen. "Liebe Dein Symptom" so schreibt der slowenische Philosoph Slavoj Zizek in seinen Betrachtungen zur postmodernen Psyche und Wallaces Interviewpartner kommen diesem Rat nur zu gerne nach -- in diesem Sinne kann man die Kurzen Interviews mit fiesen Männern durchaus als Liebesgeschichten verstehen.
Wie schon in Kleines Mädchen mit seltsamen Haaren und Schrecklich amüsant - aber in Zukunft ohne mich präsentiert sich Wallace in den Kurzen Interviews mit fiesen Männern als äußerst eigenwilliger Erzähler, der mit staunenswerter Leichtigkeit Stimmen und Register wechselt und immer für eine Überraschung gut ist. Markus Ingendaay übersetzte den größten Teil der Interviews wieder einmal mit viel Einfühlung und Sprachwitz; die anderen der gelungenen Übersetzungen lieferten Clara Drechsler, Bernhard Robben und Christa Schuenke. --Peter Schneck
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Pressestimmen
Geniale Geschichten? David Foster Wallace! (
Die Welt )
Ein Genie. (
Jonathan Franzen )
Männer seien gemein, klagen vor allem Frauen gern, und der Amerikaner David Foster Wallace belegt dies in seiner Kurzgeschichtensammlung voller vergnügtem Zynismus: etwa mit der Story vom Reisenden, der eine am Flughafen vergeblich wartende Frau nur tröstet, um mit ihr ins Bett zu gehen und vor seinem Freund damit zu prahlen. Wallace verfügt über eine unerschöpfliche Phantasie, einen manischen Schreibdrang - und über die Fähigkeit, die Neurosen der Menschen treffend, unterhaltsam, aber verständnisvoll zu schildern (
Kulturspiegel )
Kurzbeschreibung
"Willst du mal eine krasse Geschichte hören?" - so beginnt eine der Geschichten in den Kurzen Interviews mit fiesen Männern. Die "fiesen Männer" (und Frauen) sind bei Wallace eher einsame Sprachbesessene, die ihre monströsen Macken ohne Rücksicht auf Regie und Einschaltquoten im wahrsten Sinne des Wortes vor sich ausbreiten. Und was man da zu hören bekommt, sind wahrlich unangenehme Geständnisse. Wie schon in Schrecklich amüsant - aber in Zukunft ohne mich präsentiert sich Wallace als äußerst eigenwilliger Erzähler, der mit staunenswerter Leichtigkeit Stimmen und Register wechselt und immer für eine Überraschung gut ist.
-- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe:
Audio CD
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Der Verlag über das Buch
"Geniale Geschichten? David Foster Wallace!" Die Welt
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Über den Autor
David Foster Wallace, geb. 1962 geboren, gilt als einer der wichtigsten Vertreter der amerikanischen Literatur. Er studierte Philosophie und unterrichtete zuletzt Creative Writing am Pomona College in Claremont, Kalifornien. David Foster Wallace starb am 12. September 2008.Marcus Ingendaay, geboren 1958, Studium der Anglistik und Germanistik in Köln und Cambridge. Tätigkeit als Werbetexter und Reporter, danach freier Übersetzer mit mehrfachen Auszeichnungen. Romanveröffentlichung.