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5.0 von 5 Sternen
In Sprache und Stil seiner Zeit vorraus - und doch richtig!, 15. August 2006
Die Meinung bei diesem Werk, ja, bei diesem Autoren, sind geteilt. Anscheinend gibt es nur Leser, die es liebten oder es vollkommen verabscheuten. Wie man sehen kann gehöre ich zu ersteren. Ich möchte es so ausdrücken: Mit "Kurze Interviews mit fiesen Männern" schaffte David Foster Wallace ein Werk, dass in seiner Unterschiedlichkeit und Variabilität nicht stärker sein könnte. Er experimentiert geübt mit ganz neuen und unerwarteten Stilmitteln, die einem schon des öfteren einen ordentlichen Ruck geben und vor allem zum Denken anregen. Dieser Autor ist nicht gewillt, all das was er schreibt zu erklären, nein, er überlässt vielmehr dem Leser die Rolle des Bewerters und Moralisten, wie beispielsweise in den Pop-Art Quiz, in dem ethisch anspruchvollste und kontroverseste Fragen auf eine ganz einfache Art und Weise gestellt werden. Dieses Buch hatte soviel Neues, das ich es lieben musste. Innovation und neue Kreativität: Dieses Buch ist erfrischend zwischen all den standardisierten Werken und doch manchmal schwierig - halt seiner Zeit vorraus, wie ich denke.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Kurze Interviews mit fiesen Männern (Hörspiel), 18. November 2010
Erster Eindruck: Bekanntes Buch in Hörversion Männer sind fies. Weil sie als Einarmige mit der Mitleidstour Frauen ins Bett kriegen und dies auch noch genüsslich ausbreiten. Weil sie ihre Freundinnen verlassen und ein ziemlich geheucheltes Abschiedsgespräch führen, das klischeehafter nicht sein könnte. Weil sie ihre Psychologinnen kaum zu Wort kommen lassen. Aber Frauen sind auch fies... David Foster Wallace sorgt in letzter Zeit immer wieder für Aufsehen mit seinen Büchern, und wird ebenso harsch kritisiert wie in den Himmel gelobt. Sein Werk "Kurze Interviews mit fiesen Männern" wurde 2004 vom SWR als Hörversion umgesetzt und nun vom Hörverlag veröffentlicht. Dabei handelt es sich nicht um ein Hörspiel im klassischen Sinne, da die Gesprächspartner(innen) der Männer schlicht ausgeblendet und durch Geräusche ersetzt werden. Die Texte in unterschiedlicher Länge werden gekonnt vorgetragen, dennoch fällt der Zugang nicht immer leicht, etliche Fremdwörter hemmen das Verständnis, im Laufe der Zeit gewöhnt man sich aber an die Sprache des Stückes. Inhaltlich sind die fiesen Männer sehr kreativ geschrieben, wohl jeder wird den einen oder anderen Charakterzug an einem bekannten Menschen (oder sich selbst?) feststellen. Wallace' Beobachtungsgabe ist sehr genau, die Männer im Hörspiel aber auf die Spitze getrieben und damit recht Klischeebeladen. So recht in eine Kategorie will sich das Stück nicht einordnen lassen, das kann jeder für sich selbst vornehmen, wenn er sich auf dieses originelle Experiment einlässt. Klar, dass fast ausschließlich Männer zu hören sind, diese sind aber wunderbar ausgewählt und können die jeweiligen überspitzten Rollen gut darstellen. Milan Peschel, der mir vor dieser Produktion völlig unbekannt war, kann mit gekonnter Akzentuierung einzelner Worte einen sehr lebendigen Vortrag halten. Sehr gut gefallen hat mit auch Jörg Hartmann, seine im Gedächtnis bleibende Stimme und gelungene Betonung würde ich gern öfter hören. Wanja Mues ist ebenfalls als einer der interviewten Männer zu hören und kann mit ungehemmten Redefluss überzeugen. Weitere Sprecher und -innen sind Jacqueline Macaulay, Judith Engel und Max Hopp. Antje Vowinckel ist zuständig für Regie und den Klang und ist für die eher außergewöhnliche Vorlage ebenso ungewöhnliche Wege gegangen. Die Geräusche sind oft unharmonisch und unterbrechen die Reden von den Männern, sind aber abstrakt und haben nichts mit der Geschichte an sich zu tun. Die Musik ist dabei passenderweise ebenso experimentell und sträubt sich ein wenig, eine sanfte Untermalung zu bieten. Das Buchcover ist recht bekannt, natürlich wird es dann auch für die Hörausgabe verwendet. Ein Mann, schick in Krawatte und Anzug, allerdings mit einer Papiertüte über den Kopf gezogen, worauf dick der Titel prangt. Das kleine Booklet beinhaltet eine Folgenübersicht sowie Kurzinformationen zum Autor und zur Regisseurin. Fazit: Das Hörstück ist experimentell und somit vielleicht nicht jedermanns Geschmack. An schwarzem Humor und einer gewissen augenzwinkernden Wahrheit mangelt es aber keinesfalls.
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9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
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Eine Überdosis Literatur, 20. Dezember 2009
Wer noch nichts von Wallace gelesen hat, wird mit dem vorliegenden Buch "Kurze Interviews mit fiesen Männern" eine neuartige literarische Erfahrung machen - nur: worin besteht diese Erfahrung? Man kann sich ja auch den Mund an zu heißer Milch verbrennen und hat dann eine Erfahrung gemacht - aber eine negative. An den 23 Geschichten des vorliegenden Buches habe ich mir zwar nicht den Mund verbrannt, aber nach der Lektüre war ich erst einmal groggy. Warum war ich so groggy? Weil die Lektüre der Texte eine Herausforderung darstellt. Wallace Geschichten erschließen sich nicht, wenn man während der Lektüre Radio hört oder ein Sandwich isst, sie erfordern eine genaue - man könnte fast sagen - eine "hingebungsvolle Lektüre", einen reifen und leidenfähigen Leser, der dafür aber auch mit einer anschauungsgesättigten Sprache und einer formalen Raffinesse belohnt wird, die ihresgleichen sucht. Zuerst zur Sprache: Wallace Sprache kommt mir vor wie ein UV-Licht, mit denen man Sachverhalte gewahr wird, von deren Existenz man zwar immer etwas geahnt, von denen man aber nicht geglaubt hatte, man könne sie in Worte fassen. Man hat das Gefühl, als würden manche Probleme, Nuancen, Fragen, die in den untersten seelischen Schubladen vor sich hin gammeln, bei Wallace zum ersten Mal rückhaltlos ausgesprochen - und man erschrickt! Die Vatergeschichte (S. 297ff) kann man meiner Ansicht nach niemanden empfehlen, der noch an eigene Kinder denkt - und doch ist sie wahr in einem ganz fundamentalen Sinn. Und wer "Adult World" oder "Die depressive Person" gelesen hat, erhält eine vollkommen neue Vorstellung von der Innenwelt kranker wie scheinbar gesunder Menschen - eine Unterscheidung, an die man nach der Lektüre nicht mehr so recht glauben mag, weil so Vieles, was die Protagonisten in ihren obsessiven Gedankenschleifen immer aufs Neue wiederholen, auch dem scheinbar normalen merkwürdig bekannt vorkommt. Wallace ist aber nicht nur ein sprachlich und sachlich beunruhigend brillanter Durchleuchter der psychologischen Tiefendimensionen des menschlichen Gemütes und vor allem der menschlichen Sexualität - er ist auch formal ungemein innovativ. Sein poetologoisches Repertoire ist geradezu universell - von der konventionell erzählten Geschichte über die berühmten halbierten Dialoge, von den parallelen Handlungs- und Gedankensträngen in den Fußnoten bis zur postmodernen Tristan-Geschichte bleibt dem Leser nichts erspart. Er muss also nicht nur genauer lesen als sonst, er muss sich auch noch von Geschichte zu Geschichte auf einen neuartigen formalen Zugang einstellen. Wirklich entspannend ist das nur, wenn man sich bei der Lektüre Zeit lässt. Mit einer Wallace Geschichte verhält es sich wie mit einem scharf gewürzten Steak: nie mehr als eine am Tag und am besten nicht mehr als ein oder zwei in der Woche. Man hat ein Literaturkonzentrat vor sich, eine Verdichtung im buchstäblichen Sinne des Wortes, die man sich langsam reintun sollte, wenn man sich nicht eine literarische Überdosis verpassen und mit Kopfschmerzen auf dem Sofa enden will.
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