Ein wunderbares Debüt, das mich wirklich mitgenommen hat auf eine Reise. Die führte nur zufällig durch Lateinamerika. Denn es geht um das Universelle am Reisen, um die Lust, die Melancholie, die Sehnsucht und die Flucht und das Abenteuer, um die vielen unglaublich schönen Bilder, die man eigentlich nicht beschreiben kann. Dieses Buch schafft es durch seine poetische, bildgewaltige Sprache. Und gleichzeitig steckt es voll interessanter Gedanken. "Kultur ist selbstbewusste Natur, Freiheit ist selbstbewusster Zufall." Wow! Stellenweise sind diese philosophischen Ansätze wirklich tiefgründig, meistens dienen sie dazu, ein Lebensgefühl zu transportieren. Ein bisschen verkopft, wie der Untertitel selbstironisch andeutet, aber das hebt die Geschichte auf jeden Fall heraus aus dem üblichen Einerlei. Und mit System: Die einzelnen Kapitel drehen sich um die ganz großen Themen wie Sehnsucht, Heimat, Gott, Treue -- eben das, was einen auf Reisen so beschäftigt. Die vielen kleinen Geschichten, Beschreibungen, Begegnungen ranken sich um diese Themen, umzirkeln sie, ohne sie vollständig beantworten zu wollen. Es geht mehr um die Fragen und darum, das Porträt eines Heranwachsenden zu zeichnen. Manchmal kommt einem Zak, so heißt er, sehr nahe, dann wieder erinnert er an eine Rückenfigur aus der romantischen Malerei, die einen in ein Bild hineinzieht, durch deren Augen man die Reise wahrnimmt. Und in all dem schwebt unaufdringlich eine Liebesgeschichte mit, die eher ein poetisches Reflektieren über Liebe ist, denn Laila taucht nie direkt in der Handlung auf. Dabei ist all das höchst lesbar, trotzdem die Handlung konzeptbedingt immer wieder unverhoffte Sprünge macht -- eben wie auf Reisen. Um es kurz zu machen, drehe ich den Spieß mal um. Kunden, die diesen Artikel gekauft haben, kauften auch: "Unterwegs" von Jack Kerouac, "Der Fänger im Roggen" von J.D. Salinger, "Clandestino" von Manu Chao.