In den 50er und 60er Jahren eroberten zahlreiche Romane bzw Romanserien um schöne und leidenschaftliche Frauen den Markt, die in historisch bewegten Zeiten vergangener Jahrhunderte diverse amouröse und sonstige Abenteuer bestritten:
Golons "Angélique", Gaillards "Marie des Isles", Benzonis "Cathérine", Saint-Laurents "Caroline Chérie", Parettis Caroline aus der "Rose und Schwert"-Trilogie - die Liste ließe sich noch sehr lang fortsetzen.
Die Urmutter und Wegbereiterin all dieser Damen zwischen Historie, Liebe und Abenteuer, Kathleen Winsors "Amber", ist dabei im Laufe der Zeit ein wenig in Vergessenheit geraten - und das, obwohl der 1944 erschienene Roman als "erster moderner Bestseller" gilt, einen Sturm der Entrüstung hervorrief, in diversen US-Staaten als "pornografisch" auf dem Index landete und bereits 1947 von 20th Century Fox mit einem Aufwand verfilmt wurde, der "Vom Winde verweht" erreichen oder besser noch übertreffen sollte.
Die Waise Amber (Linda Darnell), geboren 1644 in den Wirren des englischen Bürgerkrieges, wächst bei puritanischen Bauern in einem kleinen Dorf auf, hat aber bereits seit frühester Kindheit große Rosinen im Kopf.
So lehnt die ebenso schöne wie selbstbewusste Amber jeden möglichen Heiratskandidaten hochmütig ab, sie wolle nicht in einem Schweinestall enden, sondern ein "besseres" Leben führen.
Als Oliver Cromwells Herrschaft 1660 mit dessen Tod endet und Charles II (George Sanders) als König nach London zurückkehrt, macht Lord Bruce Carlton (Cornel Wilde), ein junger Adliger im Gefolge des Königs, in Ambers Dorf halt.
Für Amber ist Bruce der Inbegriff all dessen, was sie sich seit jeher von Leben erträumt hat und so bedrängt sie ihn, sie mit nach London zu nehmen.
Als dieser ablehnt, folgt sie ihm heimlich und Bruce nimmt sie schließlich bei sich auf, lässt jedoch keinen Zweifel daran, daß er nicht gewillt sei, sie zu heiraten und bald als Freibeuter des Königs in die Karibik aufbrechen werde.
Tatsächlich lässt er die inzwischen schwangere Amber bald zurück, nicht jedoch, ohne sie finanziell gut ausgestattet zu haben.
Das naive Mädchen fällt jedoch auf Betrüger herein und landet im Schuldgefängnis, wo sie ihren und Bruce's Sohn zur Welt bringt.
Aber die unbändig lebens- und aufstiegswillige Amber ist sich der Macht ihrer Schönheit seit jeher äußerst bewusst und weiß diese auch gezielt einzusetzen...
So wird sie zunächst einen Straßenräuber dazu benutzen, sie aus dem Gefängnis zu befreien und auf ihrem Weg nach "oben" diverse Ehemänner und Geliebte verschleißen, um schließlich als Favoritin des Königs bei Hof Macht und Ansehen zu gewinnen.
Ihr Herz jedoch gehört weiterhin Bruce, der die Affäre mit ihr bei seinen seltenen Aufenthalten in London regelmäßig wieder aufnimmt, aber Amber trotz ihres inzwischen gewonnenen Adelstitels nicht zu heiraten gewillt ist.
Selbst die aufrichtige Zuneigung des Königs und Bruces Eheschließung mit einer jungen Amerikanerin vermögen der blinden Vernarrtheit Ambers in Bruce kein Ende zu setzen...
Geradezu verbohrtes Festhalten an einer Jugendliebe, die von Anfang an nie falsche Hoffnungen geweckt hat, der Verschleiß diverser anderer Männer (darunter sogar der Sohn eines aktuellen Ehemannes, für die 40er Jahre tatsächlich gewagt), ein unerbittlicher Aufstiegswille - ja, "Vom Winde verweht" lässt tatsächlich recht deutlich grüßen.
Einen "Abklatsch" kann man "Amber" jedoch beileibe nicht nennen, zeichnet der Film doch ebenso wie die Romanvorlage ein überaus farbenprächtiges, pralles und detailverliebt ausgestattetes Zeit- und Sittengemälde Englands während der Restauration.
Neben dem Gefängnis und ihren zahlreichen Affären übersteht Amber auch noch diverse Brände und die große Pest von London, macht als Schauspielerin Karriere, verursacht ein dramatisches Duell, mischt bei höfischen Intrigen kräftig mit - nein, Langeweile kommt in knapp 2 1/2 Stunden Film ebensowenig auf wie auf den rund 900 Seiten der Romanvorlage.
Dazu ist der Film mit zahllosen erlesenen Kostümen, einer wunderschönen Farbfotografie, verschwenderischer Ausstattung und stimmiger Musik wirklich ein Fest für Augen und Ohren.
Eine psychologisch fundierte Zeichnung der Charaktere bleibt dabei jedoch leider ein wenig auf der Strecke.
Während Amber in der Romanvorlage durchaus sehr differenziert dargestellt wird, bleiben ihre Motivationen im Film oft etwas unklar und so manches Mal vermag man die Diskrepanz zwischen der selbstbestimmten und -bewussten Frau, die für ihren Aufstieg über Leichen zu gehen bereit ist und der bedingungslos Liebenden, die sich vom Objekt ihrer Begierde tatsächlich ein Leben lang schlecht und repektlos behandeln lässt, nicht so ganz in Einklang zu bringen.
Darüber, ob dieses Problem nun im Drehbuch oder aber in der Darstellung Linda Darnells begründet ist, könnte man trefflich streiten.
Meiner Meinung nach tut Linda Darnell (hier einmal ganz ungewohnt nicht als dunkelhaarige, leicht exotisch anmutende Schönheit, sondern als rotblond gelockte Sirene) ihr bestes und konnte mich sowohl in den Szenen mit Bruce als verzweifelt liebende Frau als auch als hemmungslose Aufsteigerin durchaus überzeugen.
Problematischer fand ich da die Besetzung des Bruce mit Cornel Wilde, der für mich leider überhaupt kein Charisma hat und mich weder als Ambers Objekt der Begierde noch als eleganter Schurke überzeugen konnte.
Dabei liegt gerade in der Figur des Bruce, der alles andere als sympathisch ist, sondern ein Egoist, der die Frau, die ihn liebt, ein Leben lang als willige Geliebte benutzt und ihr zuletzt sogar noch das gemeinsame Kind wegnehmen will, ein besonderer Reiz der Vorlage, der "Amber" zudem sehr deutlich von ähnlich gelagerten Geschichten wie "Vom Winde verweht", wo der ebenso verzweifelt wie hoffnungslos geliebte Mann zwar ein "Weichei", aber immerhin ein Gentleman ist, unterscheidet.
Ein Mann, der eine Heroine wie Amber dazu bringt, sich über Jahre hinweg immer wieder derart benutzen und demütigen zu lassen, der muss schon ein sehr charismatischer Schurke sein, einer, der ebenso gefährlich faszinierend wie bösartig ist.
Was hätte zum Beispiel ein James Mason aus dieser Rolle machen können!!
Cornel Wilde dagegen bleibt seltsam blass, beinahe fragt man sich schon, warum dieser offenbar derart leidenschaftslose Karrierist (selbst die Beziehung zu seiner späteren Ehefrau lässt keine stärkeren Gefühle seinerseits erkennen) die junge Amber seinerzeit überhaupt aufgenommen und eine Affäre mit ihr begonnen hat.
Und so bleibt Ambers Liebe zu diesem farblosen Egoisten (außer am Anfang, als Bruce für die junge Amber eben die Verkörperung des von ihr angestrebten "besseren" Lebens ist) leider wenig nachvollziehbar, ein Problem, an dem der Film meiner Meinung nach nicht unerheblich krankt.
Umso hervorragender dafür die Besetzung König Charles' II mit dem wunderbaren George Sanders, der seiner Figur wirklich Leben und eine große Vielschichtigkeit zu verleihen versteht.
Der im Grunde seines Herzens einsame Monarch in politisch schwieriger Zeit, der seine über alles geliebten Hunde mit "Kinder" anspricht, das große Gesellschaftsspiel des höfischen Lebens zwar äußerlich billigt, weil der Adel es halt so will, aber innerlich nicht wirklich gutheißen kann und echte Gefühle für Amber entwickelt, wohl wissend, daß diese in ihrem Leben nur zwei Ziele kennt, nämlich Bruce Carlton und ihren unaufhaltsamen gesellschaftlichen Aufstieg und dabei selbst ihn, den König, nur als Mittel zum Zweck benutzt, wird von Sanders mit einer ebenso überzeugenden wie berührenden Tragik gespielt.
Die Abschiedsszene zwischen Amber und dem König, der es dabei schafft, gleichzeitig seine Gefühle zu offenbaren, aber auch seine Würde zu wahren und sich einen respekteinflößenden Abgang verschafft, hat mich daher auch mehr berührt als die Szenen zwischen Amber und Bruce, deren letzte gemeinsame Szene mich überraschend kalt gelassen hat.
Leider hat die Verfilmung (neben zahlreichen anderen Änderungen der Romanvorlage, die zu einem großen Teil allerdings der Zensur geschuldet waren) das für einen Unterhaltungsroman so verblüffend bitterböse Ende einfach weggelassen und lässt den Film nach fast 2 1/2 Stunden unerwartet abrupt mit Bruce's erneuter Abreise nach Amerika enden - ein unbefriedigendes Ende, dessen Sinn sich mir auch nicht erschließt (das Ende des Romanes dürfte nun keine Probleme mit der Zensur verursacht haben).
Überhaupt kam mir die Schlussszene ein wenig zu hastig daher:
Wie Amber hier ein letztes Mal in ihrem lebenslangen Spiel um Macht und Position hoch pokert, dabei sogar ihren höchsten Trumpf, nämlich ihren geliebten Sohn, einsetzt und alles riskiert, das hätte ich mir doch ein wenig sorgfältiger und langsamer inszeniert gewünscht.
Möglicherweise wird dies aber Zuschauern, die die Romanvorlage nicht kennen und somit den dortigen Schluss nicht vermissen können, gar nicht so vorkommen.
Fazit: ein farbenprächtiges Zeit- und Sittengemälde, hervorragend ausgestattet und fotografiert, aber doch mit einigen kleinen Schwächen.
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