Angesichts der Vielzahl von Möchtegern Standup-Comedians, die die hiesige Fernsehlandschaft und so manche Bühne heimsuchen, ist absolut rätselhaft, weshalb ein derart grandioses Talent wie Kurt Krömer auf den regionalen Bekanntheitsgrad um die Bundeshauptstadt herum beschränkt bleibt und nach Mitternacht im Ersten versendet wird. Fairerweise muss der Rezensent zugeben, dass er ein gewisses Faible für die schnoddrige Berliner Schnauze pflegt (und deswegen auch von Mario Barth zu Heiterkeitsausbrüchen genötigt wird). Doch diese Voraussetzung ist gar nicht erforderlich, um den Mann mit dem Schildkrötenlächeln und der Optik eines Bilanzbuchhalters gut zu finden. Vielmehr ist es die schon an Genialität grenzende Absurdität seiner Prominentengespräche, vor dem ARD-Engagement erfolgreich im RBB präsentiert. Während in vielen gleichartigen Formaten, nach dem immer gleichen Schema, den mal mehr, mal weniger berühmten Künstlern meist die Plattform für routiniertes und eintöniges Rühren der Werbetrommel (CD, DVD, Buch, Tournee) bereitet wird, gleiten die Krömerschen Talkrunden je nach Tagesform des Interviewpartners stets in gekonnte und zwerchfellerschütternde Albernheiten ab. Anstelle die üblichen, bereits unzählige Male verbreiteten Nichtigkeiten aus öffentlichem und Privatleben zu erfahren, lernt der Zuschauer eine gänzlich andere Seite des jeweiligen Stars oder Sternchens kennen. Bis an die Schmerzgrenze testet Krömer dabei die Schlagfertigkeit und Fähigkeit des anderen zur Selbstironie, allerdings - im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen - ohne plumpen Witz und ohne Lacher ausschließlich auf Kosten des Gegenübers erzielend.
Krömers Humor ist schwer zu definieren und genauso unmöglich zu kopieren, denn das verblüffend präzise Timing, mit dem die Pointen gesetzt werden, und die brillant-verquere Gedankenwelt entstammen entweder mühevollem Training oder angeborener Begabung. Dabei scheut er obendrein nie davor zurück, sich selbst der Lächerlichkeit preiszugeben. All das geschieht jedoch mit unwiderstehlichem, augenzwinkerndem Charme, gepaart mit gesunder Respektlosigkeit vor oftmals mit zuviel Ehrfurcht begegneten Pseudo-Idolen. So entstanden in der Reihe DIE KURT KRÖMER SHOW (später KRÖMER - DIE INTERNATIONALE SHOW) Sternstunden deutschen TVs, bedauerlicherweise nur von einer Minderheit wahrgenommen. Auszugsweise seien die denkwürdigsten Talkgäste genannt: Hellmuth Karasek, Klaus Wowereit, Hademar Bankhofer, Walter Momper.
Auch als Solist kann KK durchaus überzeugen. NA, DU ALTE KACKBRATZE klingt auf den ersten Blick erst einmal rüde und abschreckend. Und mehr als in seinen Zwiegesprächen finden sich hier ab und zu entbehrliche Entgleisungen unter die Gürtellinie, die eher dem mittlerweile auf derartige billige Höhepunkte konditionierten Massengeschmack geschuldet sein dürften. Denn die unsinnigen Geschichten, die Krömer ohne sichtbaren Zusammenhang und unter meistens groteskem, vollen Körpereinsatz vorträgt, bergen genug feinsinnige bis grenzdebile Komik. Im Bonusmaterial der DVD finden sich mit Outtakes und hinreißenden Improvisationen weitere Beweise für die unzweifelhafte Fähigkeit des schnell transpirierenden, konstant geschmacklos gekleideten Alleinunterhalters, auf angenehm rotzige und abwechslungsreiche Weise die unterschiedlichsten Persönlichkeiten und Intellekte für sich einzunehmen und mitzureißen. Man kann ihn lieben oder hassen - aber ignorieren sollte in absehbarer Zeit unmöglich werden. Und det is keene Witznummer!