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Kurt Gerron - gefeiert und gejagt
 
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Kurt Gerron - gefeiert und gejagt [Taschenbuch]

Barbara Felsmann , Karl Prümm , Klaus Völker
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 208 Seiten
  • Verlag: Edition Hentrich (1992)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 389468027X
  • ISBN-13: 978-3894680275
  • Größe und/oder Gewicht: 24,2 x 17 x 1,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 1.172.864 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Barbara Felsmann
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Von ½ TOP 50 REZENSENT
Format:Taschenbuch
"Es ist nicht leicht, heute, fast 50 Jahre nach diesen Ereignissen, das Schicksal Kurt Gerrons bis in alle Einzelheiten nachzuvollziehen", schreibt Barbara Felsmann in ihrer Einleitung. (7) Es gibt so gut wie kein autobiographisches Material, und nur wenige Ausführungen Dritter über ihn. Letzteres betrifft vor allem sein berufliches Schaffen und Wirken und weniger sein Privatleben, und so verwundert es auch nicht, dass in dem vorliegenden Buch vor allem auf seine Karriere eingegangen wird. Im Wesentlichen besteht es aus zwei Teilen. Den Beginn macht die Dokumentaristin und Journalistin Barbara Felsmann mit einer Beschreibung der beruflichen Stationen von Kurt Gerron.

Die Anfänge, die ersten Erfolge, detailliert natürlich das Jahr 1928, welches für sein künstlerisches Schaffen entscheidend werden sollte. Das Jahr, in dem er in der Dreigroschenoper den Polizeichef von London, Brown, genannt Tigerbrown, gab. Seine Interpretation des Liedes Und der Haifisch, der hat Zähne machte ihn berühmt. Die Ehe mit der ein Jahr jüngeren Olga Meyer, eine sehr harmonische Ehe übrigens, wichtig für Kurt Gerron, der sich zum Familienmenschen entwickelte, findet nur am Rande Erwähnung. Ausführlicher wird die 'intensive Arbeit' bis 1933 geschildert. Er spielte in einem weiteren Brecht-Stück mit, welches den Titels HAPPY END trug. Diesmal jedoch uferten die Proben in Verbalinjurien zwischen Brecht und Gerron aus. Die haarsträubenden Auseinandersetzungen sollten die beiden fortan zu unversöhnlichen Gegnern werden lassen. Das Stück selber fiel noch am Premierenabend, dem 31. August 1929, durch. Ein Flop. Ein Orkan des Beifalls erwartete ihn hingegen im Oktober 1929 in Karl Kraus's Stück Die Unüberwindlichen. Es folgten Auftritte an anderen Berliner Bühnen. Barbara Felsmann spult die einzelnen Stationen nicht nur einfach eine nach der anderen ab, sondern untermauert sie (soweit möglich) mit Anekdoten.

Das Jahr der Machtergreifung Hitlers, 1933, wird für Kurt Gerron einen herben Realitätsschock bringen. Er, der bislang alles Politische ignoriert hat, sich noch ein Jahr zuvor ironisch über seine 'Leibstandarte' (gemeint die Aufnahmeleitung) äusserte, wird während der laufenden Arbeit an dem Film KIND ICH FREU MICH AUF DEIN KOMMEN (u.a. mit Magda Schneider) aufgrund seiner Religion freigestellt. Noch im selben Monat verläßt er Deutschland. Erst geht es nach Frankreich, dann nach Österreich, später weiter in die Niederlande. Immer wieder gelang es Kurt Gerron während dieser Zeit künstlerisch zu wirken. Noch im Sommer 1942 erhält er als einziger Deutscher eine Rolle in der Komödie KAAP DE GOEDE HOOP (Kap der guten Hoffnung) von Ladislaus Bus-Fékete an der 'Joodschen Schouwburg'. Am 12. Juli 1942 wird dieses Theater geschlossen und zum Sammelpunkt für Deportationen umfunktioniert. Allerdings - so weiß Barbara Felsmann zu berichten - wartete der zuständige Gestapo-Offzier mit seinen Leuten das Ende der Vorführung ab. Sie beschreibt es als das 'typisch Deutsche': er hielt den Zeigefinger vor die Lippen, zum Zeichen, dass alle leise zu sein hatten, denn eine Theatervorführung darf nicht gestört werden.

Über ein Jahr später, im September 1943, sollte Kurt Gerron das Theater wieder betreten. Diesmal zum Abtransport in das Durchgangslager Westerbrok. Über die Gründe, warum Gerron keinen Fluchtversuch unternahm, warum er nicht rechtzeitig versuchte, sich in Sicherheit zu bringen, darüber kann die Autorin nur kurz und knapp spekulieren. Auch in Westerbrok wird Gerron auf der Bühne des Lagers Erfolge feiern bevor es im Februar 1944 weiter geht nach Theresienstadt. Er, der Frontkämpfer von 1914/18, der ehemalige Ufa-Regisseur, zählt zu den Privilegierten. Er kam zu einer Zeit, als in Theresienstadt die 'Verschönerungs-Hektik' ausgebrochen war. Seinem Antrag auf Gründung eines Kabaretts wurde stattgegeben. Über 15 Vorstellungen gab das 'Karussell'.

Natürlich geht Barbara Felsmann auf den in Theresienstadt gedrehten Propagandafilm 'DER FÜHRER SCHENKT DEN JUDEN EINE STADT' ein. Die Idee stammt aus dem Jahr 1942. Hintergründe und Arbeitsweise werden ausführlich geschildert. Kurt Gerron, der nicht nur Regie führte, sondern auch einen Kurzauftritt mit der Haifisch-Moritat aus der Dreigroschenoper hatte, sollte das Ergebnis seiner Arbeit jedoch nicht mehr sehen. Er wurde am 15. November 1944 in Auschwitz umgebracht.

Erfreulicher Weise ist es dem Autorenteam gelungen, ein Interview mit dem tschechischen Kameramann Ivan Fric zu führen, der an dem Film über Theresienstadt mitwirken 'durfte'. Für das Buch hat er eine Reihe bislang unveröffentlichter, heimlich aufgenommener Bilder von den Dreharbeiten zur Verfügung gestellt.

Im Anschluss folgt der zweite Teil von Karl Prümm, damals bei Erscheinen des Buches (seit 1986) Professor für Theaterwissenschaft an der Freien Universität Berlin. Karl Prümm geht auf die künstlerischen Aspekte, Besonderheiten von Kurt Gerron ein. Sein Rollenspiel, seine Rollentypen, etc. Indem er seine Schwerpunkte anders legt als Barbara Felsmann, ergänzen sich die beiden Texte.

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Verbesserungsfähig (und Grund für den Punktabzug) sind lediglich die Quellenangaben. Auf den Seiten 233ff stehen 139 Anmerkungen zu dem ersten Teil, sowie weitere 62 Anmerkungen für den zweiten Teil. Dumm nur, dass im Text selber 235 Fußnoten im ersten Teil (siehe S. 112) sowie 63 im zweiten Teil vergeben wurden. Zumindest in der 1. Auflage des Jahres 1992 scheint die Anzahl der Fußnoten im Text mit der Anzahl der hinteren Erläuterungen also nicht zu korrespondieren. Ob dies in späteren Auflagen korrigiert wurde, weiß ich nicht.

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Abgeschlossen wird diese Dokumentation mit einer Aufstellung aller Filme, an denen Kurt Gerron als Schauspieler respektive als Regisseur mitgewirkt hat. Natürlich ist auch ein Personenregister vorhanden.

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Alles in allem eine gut lesbare, informative Darstellung.
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