"I hope I die before I get old." Das ist zwar nicht von Kurt Cobain, passt aber trotzdem. Was hat sie nicht schon alles posthum über sich ergehen lassen müssen, diese Ikone der frühen 90er Jahre. Das Sprachrohr der Jugend. Der sogenannten Generation X. Und jetzt auch noch das: Kurt Cobain - Sein Leben als Comic.
Besser gesagt, Kurt Cobain erzählt und lässt sein viel zu kurzes Schaffen und Leben in Comic-Form Revue passieren. Wie war das damals, Anfang der 90er? Rock'n'Roll und Rebellion. Ungewaschene Haare, zerschlissene Jeans und Holzfällerhemden. Und jeder langhaarige Affe aus Seattle, der halbwegs eine Gitarre halten konnte, wurde ins Studio gezerrt und als "Next Big Thing" verheizt. Nirvana hatten das Ganze losgetreten. Reichlich unabsichtlich sogar.
Kurt hatte nur versucht, seine Probleme, seine Albträume, seine Wut irgendwie zu kanalisieren und gleichzeitig dem zur Karikatur verkommenen Rock'n'Roll seine Seele zurückzugeben. Daß sich das dann zig-millionenfach verkaufen würde, konnte niemand wirklich vorhersehen. Auch nicht Cobain. Und schlimmer noch: als er endlich das erreicht, wovon er geträumt hat, wird er trotzdem nicht glücklicher. Das hat er sich dann auch gründlich durch den Kopf gehen lassen.
So weit, so bekannt. Godspeed krankt daran, dass es eigentlich viel zu kurz ist, um der Person Kurt Cobain in allen Facetten wirklich gerecht zu werden. Und es macht den Fehler, den Faden von hinten aufzurollen und alles auf den finalen Selbstmord hin auszurichten, als ob das das einzig spektakuläre an der Person Cobain gewesen war. Die Faszination, die von ihm ausging und auch heute noch, 10 Jahre nach seinem Tod, immer noch ausgeht bleibt ebenso unerklärt wie seine Gabe, das Sprachrohr einer ganzen Generation desillusionierter Teenager sein zu können. Auch kommt die Musik an sich ein wenig zu kurz. Musiker-Biografien machen normalerweise Lust auf die dazugehörige Musik. Godspeed lässt mich seltsam kalt.
So bleibt ein reichlich oberflächlich-geschwätziges Werk zurück, das aber auch durchaus seine Stärken hat. Zeichnerisch ist das zum Beispiel mehr als solide inszeniert. Und es ist immer dann am eindrucksvollsten, wenn es sich darauf beschränkt, einfach nur kurze Episoden aus Cobains Leben zu illustieren.
Von der Aufmachung ist das Ganze ohnehin grosse Klasse. Hardcover, Schutzumschlag und bestes Papier -so soll das sein. Aber ob es unbedingt Kurt Cobains Wunsch war, sein Leben als schönes Coffee-table Book wiederzusehen , sei dahingestellt...