Hier liegt ein besonders interessantes Handbuch zu Vipassana oder der Einsichtsmeditation, die auch häufig "Achtsamkeitspraxis" heißt, vor. Autor Hans Gruber, der seit zwanzig Jahren gründlich das Dickicht buddhistischer Traditionen untersucht, hat mit dem Kursbuch Vipassana ein ebenso hilfreiches wie anspruchsvolles Werk vorgelegt. Der knapp dreihundert Seiten umfassende Wegweiser kann sich sehen lassen: Bestehend aus drei Hauptteilen beschreibt er die Grundlagen der Vipassana-Meditation und gibt erstmals einen Überblick zu dieser (neben dem Zen und dem tibetischen Buddhismus) dritten Haupttradition des Buddhismus im Westen.
Gruber ist nicht nur gelernter Indologe und Journalist, sondern praktiziert auch selbst seit vielen Jahren Meditation. In seinem Buch legt er, neben der Darstellung aller erforderlichen Sachinformationen, besonderen Wert darauf, einen direkten Eindruck von der Vipassana-Meditation zu vermitteln, der unabhängig von religiösen Institutionen, festen Glaubenssätzen und äußeren Formen ist.
Folglich befaßt sich der "Praxisteil" seines Buches ausführlich mit Fragen der Technik und Umsetzung der Vipassana-Meditation. Gruber setzt sich darin zuerst mit der Frage "Was ist Achtsamkeit?" auseinander, gefolgt von der Schilderung der wichtigsten heutigen Übungswege der Vipassana-Meditation. Der "Infoteil" ist ein sicherer Leitfaden für alle, die Orientierung unter den vielen Vipassana-Kursangeboten suchen. Hier sind vermutlich fast alle Vipassana-Lehrerinnen und -Lehrer erwähnt, die im deutschsprachigen Raum unterrichten (wobei kein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben wird).
Eine erfreuliche Ergänzung dazu bietet der "Anhang" mit seiner ausführlichen Adressen- und Literaturliste sowie dem Glossar. Im, vielleicht etwas nüchtern geratenen, "Basisteil" am Ende des Kursbuch Vipassana kann man sich dann noch in die wichtigsten Lehrreden (Sutren) des Buddha vertiefen und sich auch dabei von der sachkundigen Kommentierung des Autors durch das komplexe Terrain leiten lassen.