... zeichnet diesen Seefahrtsroman aus.
Als Frau, die auf jedem Schiff bereits im Hafen seekrank wird und die freiwillig noch nicht mal eine Karibikkreuzfahrt in der feinsten Luxuskabine auf der Queen Mary antreten würde, selbst wenn ich die geschenkt bekäme, gehöre ich nicht gerade zur Zielgruppe für historische Romane um die christliche Seefahrt. Trotzdem empfehle ich das Buch uneingeschränkt mit satten fünf Sternen, denn ich las es mit ausgesprochenem Vergnügen. Es ist so brillant geschrieben, daß ich es gierig verschlang. Ein bißchen erinnerte mich das Ganze an die "Horatio Hornblower-Romane", die mein Großvater vollständig im Bücherschrank hatte. Aber hier sind nicht nur Seeschlachten und die Arbeitsweise auf einem britischen Kriegsschiff exakt und plastisch beschrieben, auch die dunklen Seiten der tragenden Charaktere sind psychologisch perfekt erfaßt. Man spürt, daß hier jemand gründlich recherchiert hat und zwar sowohl die technischen und taktischen Elemente der Segelschiffahrt in Verbindung mit dem historischen Hintergrund, als auch die Alltagsgepflogenheiten an Land und viele andere Bereiche, wie z. B. die damalige zeitgenössische Musik, den Stand der Medizin und die Hierarchie in der britischen Marine zur Zeit Admiral Nelsons. Das Umfeld der Handlung ist schonungslos beschrieben, detailreich, genau und zugeschnitten auf die heutige Zeit. O'Brian spielt genial mit den Spannungsbögen und hat den Roman zwischendurch immer wieder gewürzt mit seinem trockenen Humor.
Der frisch beförderte, lebensfrohe Captain Jack Aubrey, der ungeduldig seinen ersten Einsatz auf eigenem Schiff erwartet, wuchs mir sofort ans Herz. Er ist intelligent, lebensfroh und mutig, hat Gewichtsprobleme und macht in seiner Freizeit Kammermusik. Auf See höchst erfolgreich, hat er doch zuvor an Land ausgerechnet einen Vorgesetzten gehörnt und sich damit einen mächtigen Feind geschaffen, der nun seine Karriere behindern will...
Wer sich neben der spannenden Romanhandlung noch ein wenig für Biologie, Medizin und Naturwissenschaften interessiert, wird an Captain Jack Aubreys Freund, dem Schiffsarzt Dr. Stephen Maturin seine helle Freude haben.
Ich habe mir gleich das nächste Buch bestellt und freue mich mächtig, daß es dann noch weitere sechzehn (!) Fortsetzungsbände gibt. Wenn die auch so gelungen sind, wie dieser, muß ich mir für die nächsten acht Jahre keine Gedanken mehr machen, über das passende Geschenk für meinen Schwager und andere Segler im Bekanntenkreis.