Das vierte Buch der Autorin Marlene Bach entführt uns in die Heidelberger Romantik, denn der Mörder äußert seine Absichten in romantisch anmutenden Versen, die darauf warten, entschlüsselt zu werden. Er hinterlässt darin Hinweise auf einen weiteren Mord: Fühlt er sich so sicher, dass er denkt, die Polizei würde ihm trotzdem nicht auf die Schliche kommen, oder ist er ihr überlegen und spielt nur mit ihr? Seltsame Vorfälle häufen sich, von denen niemand mit Sicherheit sagen kann, ob sie in irgendeiner Weise mit dem Mord an der jungen Frau in Verbindung stehen oder gar vom Täter in die Wege geleitet wurden. Keine leichte Aufgabe für die Ermittler!
An diesem Krimi liebe ich die detailliert und liebevoll ausgearbeiteten Charaktere, von denen jede/r seine Stärken und Schwächen hat, die dem Leser durchaus nicht fremd erscheinen. Die psychologische Genauigkeit, mit der die Autorin beim Erzählen vorgeht, ist erstaunlich. Sie schafft es, ganz alltägliche Begebenheiten in die Handlung mit einfließen zu lassen, und zwar so, dass es nicht störend oder langweilig wird. Man bekommt nur allzu realistisch vor Augen geführt, dass im Leben nicht immer alles so laufen kann, wie man es gerne hätte, vor allem was Beziehungen betrifft. Umso schöner ist es zu beobachten, wie die Protagonistin Maria Mooser an ihren Problemen wächst. Neben ihrem oft nervenaufreibenden Job findet sie zu ihrem Bedauern nur wenig Zeit für ihre erwachsene Tochter Vera. Bei der Arbeit muss sie sich mit ihrem ihrer Meinung nach unfähigen Assistenten Alsberger herumschlagen, den sie aber eigentlich als Freund ihrer Tochter respektvoll behandeln sollte. Die Kabbeleien zwischen den beiden habe ich stets mit einem Schmunzeln gelesen, so wie auch die Passagen mit Marias Nachbar Arno... Wie schon im vorherigen Band sind diese Situationen mit den Ermittlungen verknüpft: Ihre Lebenserfahrungen bringen Maria auf neue Ideen in ihren Fällen und helfen ihr, die Beweggründe der Beteiligten zu verstehen. Auf der anderen Seite lernt sie in ihrem Beruf immer noch etwas dazu.
Spannend waren für mich auch Marias Träume, die ihr schon manches Mal entscheidende Hinweise liefern konnten. Und nicht zuletzt ist das Werk mit einer angemessenen Prise Humor gewürzt!
Ich habe dieses Buch mit großer Aufmerksamkeit gelesen, weshalb mir auffiel, dass Maria und ihr Team hin und wieder ziemlich schwer von Begriff sind. Nichtsdestotrotz kam das Ende für mich wieder sehr überraschend, aber ich möchte ja nicht vorgreifen...
Ich empfehle dieses Buch all denen, die Freude an spannenden Kriminalfällen haben; die zwar auf diesem Gebiet nichts spektakulär Neues erwarten, aber gute Literatur zu schätzen wissen. Wer darauf achtet, wird aus der Lektüre einiges mitnehmen können, denn dieser Krimi ist alles, nur nicht oberflächlich!