Fotografie und Film verändern die Art und Weise, wie wir unsere Umwelt wahrnehmen. Davon handelt Walter Benjamins 1936 erschienener Aufsatz "Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit". Erst in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde die Bedeutung dieser Schrift entdeckt. Die Reproduktionstechniken, die damals als modern galten, sind heute zwar längst überholt, doch Benjamins Diagnose unserer Wahrnehmung unter dem Einfluss der Massenmedien ist aktueller denn je. Ungeachtet des rasenden technischen Fortschritts unserer Zeit spricht der Text Fragen an, um die sich bis heute niemand drücken kann, der sich für Kunst und Medien interessiert. Zugegeben: Den reinen Lesegenuss bieten die knapp 50 Seiten nicht. Wer aber die Anstrengung nicht scheut und sich durch den Text hindurcharbeitet, wird mit tiefen Einsichten in das Wesen der Moderne belohnt. Er versteht, wodurch sich eine antike Götterstatue oder ein Rembrandt-Gemälde von einem Man-Ray-Foto unterscheiden und welche Bedeutung Charlie Chaplin oder Mickey Mouse für die Filmkunst haben.