Zu den vielen Gründen, warum die Menschen gerne von oben auf das Geschehen blicken, gehört das gute Gefühl, den Schrecken der Nähe zu verlieren. Die Schönheit dieser Satellitenbilder lässt uns also Umwelt- und Lichtverschmutzung, Überbevölkerung, Ausbeutung der Rohstoffe und lebensfeindliche Mega-Metropolen vergessen. Und das braucht es gelegentlich, um die Liebe zu unserem Planeten nicht zu verlieren.
In erste Linie ist dieser Bildband aber kein Werkzeug zur leichteren Verdrängung des Bösen, sondern eine faszinierende Entdeckungsreise in bekannte und unbekannte Gegenden, geologische Phänomene, meteorologische Gesetzmäßigkeiten und packende Naturwunder.
Eigene Entdeckungen erleichtert das Konzept, die Bildbeschreibungen an den Schluss zu setzen. Damit setzt der Herausgeber ein unübersehbare Zeichen gegen die Unart, Betrachtern von Kunst, Porträts und Bildern aller Art zu sagen, was sie sehen müssen. Bei diesem Buch wäre es doppelt schade, wenn die Legende zu einer Satellitenaufnahme auf der gleichen Seite stehen würde. Denn es macht ja auch Spaß zu erraten, was in den Blickwinkel des weit entfernten Objektives geriet. Und ich wette, dass wohl kaum jemand alles richtig errät. Außer man mache sich dieses Rätselspiel zum zeitraubenden Hobby.
Die Druckqualität ist so hervorragend, dass es nicht an der Anzahl Pixel liegen kann, wenn man etwas nicht erkennt. Zudem wird man mit dieser Investition in hervorragende Bilder dem einmaligen Farbenspiel gerecht, das dieser Bildband bietet. Und viele Naturphänomene verraten uns ihr Geheimnis nur, wenn feine Unterschiede durch verschiedene Farbgebungen sichtbar werden.
Mein Fazit: In Zusammenarbeit mit mehr als einem Dutzend internationaler Partner hat das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt eine Sammlung von Satellitenbildern der Erde zusammengestellt. Und die Auswahl hat mich ebenso überzeugt wie die Qualität der Bilder. Zudem fand ich es schön, dass die Beschreibungen der Aufnahmen an den Schluss des Buches genommen wurden. Denn schließlich sollen die Bilder auch verzaubern und neugierig machen.