Ich habe mir dieses Büchlein als Orientierung vor der art.basel besorgt und während langer Zuganreise locker in 40 Minuten lesen können. Richtig: Mehr Zeit braucht man für die kleinen Orientierungsmöglichkeiten nicht! Ein Vorteil für zeitknappe Manager, die kurzfristig auch in den Kunst-Hype mit eintauchen wollen, eher ein Nachteil für schon ambitioniertere Sammler, die auf Basis eigener mehrjähriger Erfahrungen zusätzliche Einschätzungen suchen. Was bei aller Würdigung von Verdichtung und Einfachheit der Sprache mich ein wenig störte, war die absolute Meinungsvermittlung auch dort, wo etwa Meinungspluralität angemessener wäre. Bsp.: "Gute Kunst hat nichts mit Geschmack zu tun" (!?). Andererseits kommt es aber auch zu einigen guten, verdichteten Orientierungen für startende Sammler à la "Gute Kunst ist immer innovativ" (stimmt ja fast immer) oder "Ein gelungenes Kunstwerk trägt immer auch ein Geheimnis in sich" (ganau richtig, m.E.!). Gleichwohl: Mir suggeriert das durchaus nicht ohne Kompetenz geschriebene Buch oft zu sehr, daß man eben bestimmte Qualitätskriterien für Kunst mehr oder weniger enumerativ beachten und abprüfen könnte - und wer hat eben diese festgelegt? Natürlich - die beiden Autoren, die sich für meinen Geschmack (!) teilweise zu wenig zu ihrer Subjektivität bekannt haben. "Muß ein Kunstwerk schön sein?" - "Nein, schadet aber auch nicht", das ist ein wunderbares Bsp. für eine zu starke Verdichtung auf diesem wichtigen Feld und - hat man das nicht auch vorher schon geahnt??
Für Einsteiger also ganz prima, für Erfahrene bedingt geeignet, aber durchaus sehr interessant und (insgesamt) doch lesenswert! Hochglanzpapier, gut ausgestattet mit passenden Farb-Abbildungen, die allerdings die Werk-Angabe direkt vermissen lassen, nur im Anhang zu ermitteln.