In diesem Werk geht es um so genannte Superaktien. Das sind nach der Definition des Autors Unternehmen, deren Aktienwert sich in drei bis fünf Jahren nach ihrem ersten Kauf auf das Drei- bis Zehnfache steigern kann. Wie findet man solche Aktien? Die technische Analyse besitzt dafür keine Erfolg versprechenden Mittel. Die "Börsenlegende" Ken Fisher aber hat sie nach eigenem Bekunden gefunden und präsentiert sie uns in diesem Buch, das 1984 in den USA erstmals erschien.
Wenn wir Fishers Definition ein wenig überdenken, dann stellen wir wenigstens zwei Tatsachen fest. Erstens kann es keinen sicheren Indikator für das Auffinden solcher Superaktien geben. Denn wenn es ihn gäbe, wäre er bald allen Interessierten bekannt. Das würde aber zum Zusammenbruch des entsprechenden Marktes führen, weil es dann immer nur noch eine Marktseite geben würde. Zweitens geht Fisher vom Ende zum Anfang. Er zeigt uns, welche Kriterien erfüllt waren bevor eine Aktie in seine Definition passte. Denn wenn sie der Definition mit Sicherheit genügt, dann hat es keinen Sinn mehr sie zu kaufen, weil wir dann bereits wissen, dass sie sich vervielfacht hat, also eine Superaktie ist. Leider schauen wir an der Börse nicht rückwärts, sondern vorwärts. So viel zur Logik. Fishers Methode kann also nicht zu 100% erfolgreich sein. Das sollte uns vorher klar sein.
Fast immer stehen hinter den Superaktien kleine junge Technologieunternehmen, die nicht selten nur ein Produkt herstellen. Wenn es im Laufe der Zeit nicht zu Produktinnovationen kommt, die die Marktsättigung durch das ursprüngliche Produkt abfangen können, dann wird für das Unternehmen eine Wachstumsdelle die Folge sein. Solche Dellen sind für Fisher der Ausgangspunkt seiner Suche. Er möchte die Unternehmen finden, die nach einer solchen Delle in der Lage sind erneut durchzustarten.
Nachdem uns dieses Konzept in seinen Grundzügen in den ersten beiden Kapitel vorgestellt wird, kommt Fisher in den nächsten fünf Kapiteln zu verschiedenen Methoden der Bewertungsanalyse. Zunächst lernen wir, dass alle Bewertungsmethoden für Aktien, die auf einem vorhandenen oder zukünftigen Gewinn beruhen, auch im besten Fall zu nur mäßigen Erfolgen führen. Obwohl Fishers Argumentation sehr einsichtig ist, scheint sie noch nicht bis zu allen Börsenjournalisten durchgedrungen zu sein.
Nachdem wir also mit dem KGV nicht viel anfangen können, lernen wir im Folgenden, dass es auf das Kurs-Umsatz-Verhältnis (jeweiliger Börsenwert geteilt durch den Umsatz des Unternehmens im vergangenen Jahr bzw. in der vergangenen Periode) ankommt. Es definiert nach Fisher die "Beliebtheit" eines Unternehmens. Fisher stellt einfache quantitative Regeln für den Kauf und Verkauf einer Superaktie auf und zeigt uns historische Beispiele. Allerdings müssen wir dazu bereits wissen, dass wir es mit einer Superaktie zu tun haben. Wenn wir dieses Wissen haben, ist das KUV ein wunderbares Mittel um einen günstigen Kauf- oder Verkaufspunkt zu finden. Das möglichst kleine KUV besitzen allerdings auch Schrottaktien und Werte der amerikanischen Schwerindustrie.
Das KUV alleine führt also noch nicht zum Auffinden des goldenen Kalbs. Deshalb müssen wir uns doch mit ein wenig Fundamentalanalyse befassen, um mögliche Super-Kandidaten zu entdecken. Damit befasst sich der dritte Teil (Kapitel 8-11). Wir wissen bereits, dass wir vor allem kleine Technologieunternehmen suchen, die noch nicht sehr lange am Markt sind. Um eine Superaktie zu werden müssen sie folgende Eigenschaften aufweisen: Wachstumsorientierung, herausragende Marketingfähigkeiten, einen unfairen Vorteil gegenüber anderen (also beispielsweise besondere und noch geschützte Patente oder niedrige Produktionskosten), kreative Mitarbeiterbeziehungen und ein überdurchschnittliches Finanzkontrollsystem. Diese Eigenschaften werden im Folgenden vertiefend erklärt. Während man in den ersten beiden Teilen dieses Buches noch nicht wusste, dass es eigentlich für Vermögensverwalter oder Leute mit hinreichend viel Eigenkapital geschrieben ist, wird dies nun klar. Die für diese Art von Fundamentalanalyse nötigen Informationen kann man nicht aus Geschäftsberichten herauslesen. Man muss sie eigentlich im Unternehmen selbst hart erfragen. Die vom Autor später angegebenen anderen Informationsquellen sind etwas anachronistisch und führen selten zu den Insiderinformationen, die er (wie oben beschrieben) benötigt.
Die letzten beiden Kapitel dieses Teils befassen sich mit der Margenanalyse (Analyse und Prognose der Gewinnspanne). Dabei überrascht uns der Autor mit einer Formel zur Vorhersage der künftigen Gewinnspannen. Wie er auf sie gekommen ist, bleibt allerdings sein Geheimnis. Es wird ein Leichtes sein, diese Formel durch das Einsetzen historischer Zahlen zu überprüfen. Ich habe mir diese Mühe allerdings nicht gemacht. Zudem ist sie fehlerhaft gedruckt, so dass man sie erst versteht, wenn sie an Beispielen erklärt wird.
Im letzten Teil des Buches beschreibt Fisher seine Vorgehensweise noch einmal im Zusammenhang und erläutert dabei wie er zunächst die Kandidaten und dann Kauf- und Verkaufszeitpunkte findet. An zwei Beispielen wird das Ganze dann erneut durchgespielt.
Fazit.
Zum Zeitpunkt der amerikanischen Erstveröffentlichung im Jahre 1984 war dies ein sehr innovatives Buch. Will man es fair bewerten, dann muss man sich in dieses Jahr zurückversetzen. Inzwischen sind fast 25 Jahre vergangen, in denen Fisher seine Methodik verfeinert hat. Die hier erläuterten Grundzüge haben jedoch mit Sicherheit weiter Bestand. Aus diesem Grunde kann ich es jedem, der das Original noch nicht kennt und mit Bewertungs- und Fundamentalanalyse arbeitet, nur wärmstens empfehlen.