Der Zugang zu Kunst im allgemeinen und moderner Kunst im besonderen würde vielen Menschen nicht so schwer fallen, wenn man ihnen nicht von klein auf beigebracht hätte, dass Kunst SCHÖN zu sein habe und ERKENNBAR.
Moderne Kunst ist oft weder das eine noch das andere und lässt deshalb den Großteil der Menschheit ratlos zurück. Sie zweifeln an ihrem Verstand oder an dem des Künstlers und wenden sich ab, weil sie außer den beiden Kriterien "Schönheit" und "Erkennbarkeit" keine Möglichkeit haben sich der Kunst zu nähern.
Natürlich gibt es diejenigen, die den verstandesmäßigen Sprung über die Hürde geschafft haben (oder zumindest so tun) und wissen, dass hinter einem Kunstwek mehr steckt, als das was man vor sich sieht.
Und deshalb tummeln sich in den Museen und Galerien immer nur die üblichen Verdächtigen, weil alle anderen längst das Handtuch geschmissen haben.
Viele Kunstwerke versteht man gar nicht aus sich selbst heraus, sondern muss die Hintergrundgeschichte kennen die zu ihrere Entstehung geführt haben. Oftmals ist es wichtig, um die Gedanken des Künstlers zu wissen, denn das Kunstwerk ist letztlich nur die plastische Illustration einer Idee.
Es ist aber nicht schlimm, nichts zu wissen, denn man kann sich Kunstwerke ganz selbstverständlich erklären lassen: vom Künstler, vom Galeristen, oder von wem auch immer. INTERESSE ist das allerwichtigste! Wer sich interessiert und keine Angst hat Fragen zu stellen wird feststellen, dass sich für ihn eine riesige phantastische Welt auftut, die weit über Schönheit und Erkennbarkeit hinausgeht.
Sandra Danicke macht in ihrem Buch genau das, was eigentlich in Schulen und in der Kunsterziehung ganz selbstverständlich sein sollte: Sie erklärt! Sie hat sich eine Reihe von mehr oder minder bekannten Kunstwerken zur Brust genommen und geht forsch und vorbehaltlos auf sie los.
Die kurzen Texte beginnen mit dem was man unmittelbar sieht, den ersten ungehemmten Eindrücken die sich dem Betrachter aufdrängen. In zwei, drei kurzen Abschnitten erkärt sie dann um was es dem Künstler eigentlich geht und erzählt wie nebenbei einige Anekdoten rund um das Kunstobjekt selbst, um zu verdeutlichen, dass Kunst auch mit ganz profanen Aspekten behaftet sein kann.
Dabei hat sie auch den Mut, Fragen offenzulassen und nicht alles in Grund und Boden zu interpretieren. Wie z.B. bei dem Bein von Robert Gober, oder den Papierkugeln von Martin Creed. Man kann nicht alles erklären, allein deshalb, weil die Künstler es manchmal selbst nicht können. "Ich weiß nicht, was ich sagen möchte, aber ich möchte etwas sagen", zitiert sie Creed.
Das Buch ist ein löblicher und kundig aufgemachter Versuch, Kunst zu entmystifizieren und zu popularisieren, ohne in verschwurbelte Intepretationen abzugleiten.
Ein zumindest rudimentäres Interesse an der Materie muss beim Leser aber schon vorhanden sein, denn sonst nützt einem das beste Kochbuch nichts.