Das Vorwort: Ich glaube, nahezu jeder Mensch ist der Meinung, daß es leichter ist zu versagen, als erfolgreich zu sein. Das ist ein weitverbreiteter Irrtum, denn es ist ein wirklich hartes Stück Arbeit, bis man in den Genuß kommt, in der Gosse zu liegen und von allen nur bemitleidet oder verachtet zu werden. Sicherlich, manchen Menschen ist es schon in die Wiege gelegt, ein totaler Versager zu sein. Ich kannte mal einen Typen, der hat es selten geschafft, aus der Wanne zu steigen, ohne über seine eigenen Eier zu stolpern. Dem hat man sein Verlierertum nicht nur angesehen, man hat förmlich gespürt, daß er das Unglück anzieht wie so ein schöner, großer Haufen Scheiße die Fliegen. Aber nicht nur bestimmten Kerlen sieht man an, daß sie Versager sind, sondern auch das weibliche Geschlecht hat es gut drauf, völlig abzudrehen. Ich habe schon die schärfsten Weiber kennengelernt, die gnadenlos irgendwelche Typen unter den Tisch gesoffen haben, und nicht nur das - auch keilende Bräute habe ich öfter erlebt. Ich kann jeden Typen nur davor warnen sich einzumischen. Es gibt also auch Frauen, die hart dafür gekämpft und keine Gelegenheit ausgelassen haben, sich selbst in den Ruin zu treiben. Ich wollte das hier nur einmal erwähnen, weil ich in einigen Passagen nur die Männer anspreche - das liegt daran, daß ich aus männlicher Sicht schreibe und Frauen noch immer schwer einschätzen kann, und das wird vermutlich auch so bleiben. Bei manchen Menschen geht es sehr schnell mit dem Abstieg, andere wiederum brauchen Jahre dafür, denn nicht selten gibt es immer wieder irgendwelche selbsternannten Samariter, die versuchen, einen von seinem Weg auf die vermeintlich schiefe Bahn abzubringen. Ich denke, jeder sollte den Weg gehen, den er persönlich für den richtigen hält, ganz egal, ob er nun ganz nach oben führt oder ganz nach unten, so richtig nach unten meine ich - nach ganz tief unten. Es gibt viele Bücher, die den Menschen zum Erfolg verhelfen sollen - es sind alles Bücher, die den Weg nach oben zeigen. Nicht so dieses Buch, es soll Ihnen dabei helfen, es zu schaffen, mit viel Alkohol, der früher oder später Ihr allerbester Freund sein muß und wird, den Weg nach unten zu bewältigen. Denn wer hat nicht schon einmal davon geträumt, auf der Straße zu sitzen, Wein zu saufen, sich nicht waschen zu müssen, sich richtig gehen zu lassen und sich um nichts, aber auch wirklich nichts kümmern zu müssen? Dieses Buch soll dazu beitragen, Sie auf Ihrem Weg in die Gosse zu unterstützen und Ihnen mit Tips und Ratschlägen zur Seite stehen, damit Sie Ihr Ziel erreichen, einmal vor dem absoluten Nichts zu stehen und Suizid-Gedanken zu haben, denn dann wissen Sie, daß Sie es geschafft haben. Bis dahin ist es aber noch ein langer, steiniger Weg, auf dem Sie jedoch auch viel Freude haben werden, denn Sie werden viele Partys und Feiern jeder Art mitmachen müssen. Nur so können Sie garantieren, daß Sie genug Alkohol in sich reinschütten, um sich erst einmal an den Rausch zu gewöhnen, der Sie auf Ihrem Weg zum totalen Zerfall begleiten wird. Ich garantiere Ihnen, daß Sie, wenn Sie alle nun folgenden Ratschläge beherzigen, es schaffen werden, zu denen zu gehören, vor denen Ihre Eltern Sie immer und immer wieder gewarnt haben. Dann werden Sie einer von ihnen sein, einer von denen, die zu faul zum Arbeiten sind, die ständig einen in der Lampe haben und denen ihr Schlafplatz, wo immer er sein mag, wichtiger ist als eine mit Diamanten besetzte Rolex. Noch etwas: Passen Sie gut auf dieses Buch auf, denn vielleicht ist es einmal, außer den Klamotten, die Sie am Leib tragen, Ihr einziger Besitz und Ihr einziger Freund - außer dem Suff natürlich, der Ihnen noch geblieben ist. Verteidigen Sie dieses Buch mit Ihrem Leben, denn es wird selbiges auf bedauernswerte Weise verändern. Also ich würde sagen: "Lassen wir es angehen."
"Die Kunst, erfolgreich abzusteigen" ist das erste Buch unseres Verlages, und ich freue mich darüber, weil es ein besonderes Buch ist. Es ist ein Buch, das durch alle Raster fällt, von einem Autor geschrieben, der selbst in keine Schublade gesteckt werden kann. Das an sich eher traurige Thema der Obdachlosigkeit wird mit so viel Witz, Ironie und Zynismus präsentiert, das man es eigentlich gar nicht veröffentlichen dürfte, um nicht geschmacklos zu wirken. Da aber der Autor nicht anderes als das erzählt, was ihm selbst geschah, kann er sich die Freiheit nehmen, in der ihm eigenen Art darüber zu berichten. Es ist nicht zynischer als ein Bierreklameplakat mit glücklichen Menschen darauf, vor dem ein Obdachloser bei -19 °C erfriert. Es ist geschrieben von jemandem, dessen Leben ebenfalls fast dort auf der Straße geendet hätte. Für ihn war die Straße aber nicht das Ende, sondern ein neuer Anfang. Obdachlos und auf einer Parkbank überwinternd, entschloss er sich, seine Erfahrungen in einem Buch zusammenzufassen, um sie anderen zu ersparen. Gleichzeitig gelang es ihm durch den Glauben an sein Buch, sich selbst an den Haaren von der Straße zu ziehen. Er lebt heute in einer Zweizimmerwohnung und hat wieder Arbeit. Daß er sich durch all seine Erfahrungen nicht hat entmutigen lassen, verrät schon sein Spitzname ... Smily