Umberto Ecos "Kunst und Schönheit im Mittelalter" bietet einen fundierten und angenehm lesbaren Einblick in diese Thematik. Noch nicht so populärwissenschaftlich wie seine "Geschichte der Schönheit" wendet sich dieser kleine Band trotzdem gleichermaßen an die Interessierten und die Fachleute.
Ungewöhnlich mag zunächst der Aufbau erscheinen: Eco geht nicht chronologisch vor, sondern beschäftigt sich in seiner eher zweiteilig angelegten Untersuchung (erster Teil Schönheit, zweiter Teil die Kunst) mit einzelnen Problemkreisen, um dann ihre Entwicklung zu verfolgen. Dadurch schafft er es beim Leser, ein sich langsam entwickelndes Verstehen für den gerade im Mittelalter oft so kleinen Unterschied, der ausschlagebend für neue Geisteshaltungen ist, aufzubauen.
Für Laien in dem Fachgebiet empfiehlt sich die Lektüre unbedingt, da Eco nicht nur alle lateinischen Zitate übersetzt, sondern auch durch seine Vorgehensweise Zusammenhänge und Problemstellungen der Zeit gut vermitteln kann. Jedem, der sich in dieses Thema erst anzueignen gedenkt, sei dieses Buch als Erstlektüre empfohlen.
Für Fachleute ist Ecos Untersuchung wohl in erster Linie das, was es sein will: ein inhaltlicher Überblick. Zur Auffrischung und zum Nachschlagen einzelner Aspekte ist es gut geeinget. Von fachlicher Seite her der einzige Kritikpunkt wäre das nicht chronologische Vorgehen. Möchte man eine genauen zeitlichen Rahmen erhellen, so muss man bei der Lektüre von Eco immer noch ein Nachschlagewerk zur Hand haben, um die erwähnten Schriften und Autoren eigenständig zu datieren.