Aus der Amazon.de-Redaktion
Mit seiner neuen Reihe
kunst basics hat sich der Hatje Cantz Verlag eine Menge vorgenommen. In übersichtlich angelegtem Lay-out, mit griffigen Texten, zahlreichen Bildbeispielen und einem Glossar der zentralen Fachbegriffe soll eingeführt werden in die einflussreichsten und "wichtigsten künstlerischen Strömungen" des 20. Jahrhunderts. Um es gleich vorweg zu sagen:
kunst basics ist seinen Machern rundherum gelungen -- auch wenn eine gewisse US-Lastigkeit den positiven Gesamteindruck ein wenig schmälert.
Ausgerechnet mit dem kunstgeschichtlich problematischsten Begriff des 20. Jahrhunderts eröffnet der erste Band der Reihe, der sich dem Modernismus verschrieben hat: Von einer "künstlerischen Strömung" kann hier wohl kaum die Rede sein, wohl aber von einer ästhetisch schwer fassbaren und immer wieder neu akzentuierten Grundhaltung, die die gesamte bildende Kunst seit dem Impressionismus bis hin zur Postmoderne bestimmt hat. Genau diesen Gedanken illustriert Charles Harrison auf anschauliche Weise. Ausgehend von Cezannes Idee einer Autonomie des Kunstwerks stellt er die Entdeckung des "Primitiven" ebenso wie Abstraktionstendenzen (etwa der kubistischen Reduktionen Picassos oder Braques) bis hin zu den "freien" Farbflächenkompositionen von Barnett Newmann dar. Ein Abschlusskapitel beleuchtet den Modernismus in Skulptur und Postmoderne.
Die Skulptur etwa bei Salvador Dalí oder Merit Oppenheim nimmt auch in Surrealismus eine breite Rolle ein. Aber auch anhand der teils befremdlichen Bilder von Magritte, Miró, de Chririco oder Max Ernst führt Fiona Bradley hinab in die "unterbewussten" Traumwelten der Surrealisten und ihrer revolutionär "automatistischen" Malweise. Ein Extrakapitel beleuchtet den Entwicklungsgang des Surrealismus in Literatur, Film und auf der Bühne. In Pop Art spürt David McCarthy dem an Werbung, Kino und "populärem" Alltag geschulten ästhetischen Verständnis von Künstlern wie Andy Warhol, Richard Hamilton, Robert Rauschenberg oder Jim Dine in adäquater Art und Weise nach. Und auch hier werden selbst die Innenseiten des Einbandes als Textfeld genutzt, um die Strömung anhand einer Zeittafel in den kulturellen und geschichtlichen Kontext einzubetten.
Als weitere kunst basics-Bände sind Postimpressionismus, Kubismus, Postmoderne und Futurismus geplant. Wenn auch diese Einführungen derart fundiert, informativ und gut bebildert daherkommen, muss man sich um die Reihe wirklich keine Sorgen machen. --Thomas Köster
Kurzbeschreibung
In den späten fünfziger und frühen sechziger Jahren wurde Pop zu einem weltumspannenden Kulturphänomen, das sich auf alle Lebensbereiche erstreckte. Die größten Erfolge feierte Pop in der Popmusik, doch auch die Pop Art eroberte mit ihren knallbunten Alltags-Images ein breites Publikum. Nach ihren Anfängen in England erlebte die Pop Art mit dem bald zur Legende verklärten Andy Warhol ihren Höhepunkt in den USA. Hier wie dort schöpften die Künstler ihre Werke aus dem großen Fundus der Waren- und Medienwelt, erklärten Suppendosen wie Filmstars für kunstwürdig, um damit die Grenzen zwischen Kunst und Nicht-Kunst, zwischen Kunst und Leben aufzulösen: Alltägliches wurde zur Kunst, Kunst alltäglich. So hat die Pop Art den altehrwürdigen Kulturinstitutionen und letztlich auch der »seriösen« Museumskunst zu vordem nie erreichter Popularität verholfen.
Unterhaltsam, bilderreich und informativ zugleich widmet sich der Band den Ursprüngen, den wichtigsten Künstlern, den zentralen Themen und den unterschiedlichen nationalen Ausprägungen der Pop Art - ein spannender Kompaktkurs zu einer künstlerischen Bewegung, die unsere Vorstellung von Ästhetik, Design und vom American Way of Life bis heute prägt.