Nun weiss auch ich, dass das rote Ding in meinem Büro eigentlich ein Powernapping-Instrument ist. Dachte immer, es sei nur eine bequeme Bettcouch, auf der ich mich zwischendurch kurz hinlegen kann. Und PeBe heisst persönliche Beratung. Ohne die scheint heute gar nichts mehr zu gehen. Thomas Hübner, studierter Soziologe, Sportwissenschaftler und Theologe bietet Dienstleistungen in Coaching, Organisations- Trainings- sowie Auszeitberatung an. Mit dieser Palette hat er sich positioniert. Doch das allein hätte nicht gereicht, um mich positiv einzustimmen und bei der Lektüre durchzuhalten. Meine Sympathie gewann der Autor mit den kurzen, aber immer wiederkehrenden Bemerkungen, dass es für den Job eines Beraters nicht zwingend eine Wand voller Diplome braucht. Lieber einen guten Freund als einen mittelmässigen Profi-Berater.
Aber was kann uns nun der Profi über die Kunst der Auszeit erzählen? Mehr als ich dachte. Über die XL-Auszeit, das Sabbatical sind es vierzig Seiten, auf denen wir so ziemlich alles erfahren, was es für die Planung, Durchführung und Beendigung einer so langen Auszeit zu berücksichtigen gilt. Je tiefer ich mich in Hübners Erläuterungen verstrickte, desto mehr dämmerte mir, dass Oberplaner ohne solche Hilfen offenbar handlungsunfähig sind. Und da ich daran glaube, dass den Oberplanern etwas Distanz zu ihrem Alltagstrott gut tut, bekommt die Arbeit von Thomas Hübner Sinn. Die L-Auszeit dauert etwa vier bis sechs Wochen und hat ihre eigenen Besonderheiten, denen der Autor gut siebzig Seiten widmet. Als M-Auszeit bezeichnet Thomas Hübner Pausen von 20 Minuten bis zu einem Tag. In diesem Kapitel finden wir auch nachvollziehbare Begründungen, weshalb sich die Buchung eines professionellen Sparringpartners lohnen kann, wie Philosophen arbeiten, welche Sportarten geeignet sind und nach welchen Kriterien man einen Berater aussuchen soll. Lediglich 1 bis 20 Minuten dauert schliesslich die S-Auszeit. In dieser Kategorie kommen dann Powernapping, autogenes Training und Entspannungsübungen zu ihren Auftritten.
Gefallen an Thomas Hübners Konzept haben mir die Kategorisierungen, die vielen Exkurse, prägnanten Zusammenfassungen, erfrischenden Motivationsversuche und vor allem der Ton seiner Ausführungen. Es ist ja kein Buch zum Durcharbeiten, sondern eine unterhaltsame und dennoch präzise Orientierungshilfe, falls man der Stimme nachgeben will, endlich etwas für die eigene Regeneration zu tun. Würde ich das Bedürfnis verspüren, mir dafür einen professionellen Berater zu suchen, bekäme der Autor von mir sicher eine Anfrage.
Mein Fazit: Kein Handbuch eines oberschlauen Alleswissers, sondern ein unaufdringliches Angebot, wie man Planung, Durchführung und Einbettung einer Auszeit auch noch angehen könnte.