In einer gelungenen Mischung aus zusammenhängender Argumentation, die auch Brücken zwischen den einzelnen Kapitel schlägt, und Schlagwortpräsentation, gibt Wolfgang Müller-Funk einen gut nachvollziehbaren Einblick in das Denken der vorgestellten Autoren, dankenswerterweise ohne dabei vorzugeben, dieses umfassend, abschließend und in konsumierbare 'Bachelor-Häppchen' portioniert darbieten zu können. Anliegen ist es eher, die Grundlage für weiterführende Lektüren und eine eigene Auseinandersetzung mit den jeweiligen Ansätzen zu schaffen sowie die Heterogenität kulturwissenschaftlicher Zugänge aufzuzeigen. Besonders sinnvoll erscheint in diesem Zusammenhang, dass jedes Kapitel nicht etwa mit einer abschließenden Zusammenfassung endet, sondern mit stichwortartig formulierten Anmerkungen und möglichen Kritikpunkten sowie einer Bibliografie zum jeweiligen Thema, mit deren Hilfe der Leser seiner Beschäftigung mit einzelnen Theorien neues Futter geben kann. Ein Schlagwortregister ermöglicht außerdem die Suche nach einzelnen Schlüsselbegriffen.
Über die Auswahl der behandelten Autoren und Autorinnen ließe sich sicherlich streiten, dem einen werden vielleicht Protagonisten der Gender Studies fehlen, anderen kommen die Postcolonial Studies zu kurz usw. Genau dieses Problem macht der Autor jedoch selbst transparent. Einen für alle gültigen Kanon der 'wichtigsten' kulturwissenschaftlichen Denker kann es nicht geben, da wird schon jeder selbst suchen und mehr als eine Einführung lesen müssen.
Fazit: Wolfgang Müller-Funks "Kulturtheorie - Einführung in Schlüsseltexte der Kulturwissenschaften" bietet im Rahmen des Möglichen, der bei einem so breiten Thema selbstredend sehr begrenzt ist, eine brauchbare Lektüre für alle, die einen Einblick in die noch immer bestimmenden kulturtheoretischen Diskurse gewinnen wollen.